Kolumbien Deutscher Hotelier entführt
Berlin - Nach Angaben der örtlichen Polizeibehörden sind am vergangenen Samstag rund 20 Mitglieder der Farc-Einheit "Frente 25" in die Ortschaft Prado in der Region Tolima eingedrungen. Dort nahmen sie den 56-jährigen Deutschen gefangen und entführten ihn mit einem Motorboot über den angrenzenden See, um ihn anschließend in die Berge zu verschleppen. Wie SPIEGEL ONLINE von Bewohnern der Stadt erfuhr, ist das Entführungsopfer seit vielen Jahren in Kolumbien tätig. Seine Kinder sollen in Deutschland, seine von ihm getrennt lebende kolumbianische Frau in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota leben. Forderungen der Entführer sind bisher nicht bekannt.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte, dass es in Kolumbien zur Entführung eines Deutschen gekommen ist. Sie wollte jedoch keine weiteren Details nennen. Der Entführte sei zur Zeit die einzige deutsche Geisel der kolumbianischen Guerrilla.
Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der kolumbianischen Behörden rund 3000 Menschen von unterschiedlichen Guerilla-Bewegungen entführt worden, darunter auch Ausländer. Erst am 22. Feburar wurde der japanische Geschäftsmann Haruo Muramatsu zur Geisel genommen. Die Verhandlungen um einen Friedensprozess zwischen der Farc, die große Teile Kolumbiens als "befreite Gebiete" beherrscht und der Regierung in Bogota war zuletzt ins Stocken gekommen.