Kolumbien Tausende Indios suchen entführte Deutsche
Bogotá - Der Gouverneur der Provinz Cauca, Floro Tunubala, sei in die Region gefahren, um die Suche der 7000 Indios koordinieren. Tunubala gehört wie die örtliche Bevölkerung dem Volk der Guambiano an.
Von dem am Mittwoch von linken Rebellen verschleppten Mitarbeiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Ulrich Künzel, dessen Bruder Thomas und dem gemeinsamen Freund Reiner Bruchmann gab es jedoch noch kein Lebenszeichen.
Eine Delegation aus Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des kolumbianischen Menschenrechtsbeauftragten sei jedoch in den Bergen und habe Verhandlungen mit den Entführern von den linksgerichteten "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" (FARC) aufgenommen. Bisher hätten sie die Deutschen aber nicht sehen können; es gebe auch noch keine Nachrichten über eine mögliche Freilassung, betonte Diaz.
Die Mitarbeiter der GTZ genießen hohes Ansehen in der Region. Sie unterstützen seit drei Jahren Projekte zur Umstellung des Anbaus von Coca und Mohn auf andere Nutzpflanzen wie etwa Kaffee sowie andere Projekte zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der meist armen Indio- Bevölkerung. Viele Indios fühlten sich schuldig, weil die Helfer von den Rebellen unter ihren Augen verschleppt worden seien, hieß es in Entwicklungshelferkreisen.
"Wir werden unsere Autonomie bei der Befreiung der Deutschen durchsetzen und keine Einmischung der Sicherheitskräfte zulassen", zitierte die Zeitung "El Tiempo" den Indio-Sprecher Victor Muelas. Wenn die Deutschen nicht in den nächsten 48 Stunden freikämen, würden die Täter nach den alten Gesetzen der Vorväter bestraft, warnte Muelas.
Nach Angaben von Diaz haben die Entführer von den linksgerichteten Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) mitgeteilt, sie wollten mit der Entführung gegen die großflächige chemische Besprühung von Coca- und Mohnfeldern protestieren. Gegen die Vergiftung des Grundwassers wehren sich auch die Indio-Bauern. Die FARC sind die älteste und mit fast 16.000 bewaffneten Mitgliedern auch größte Rebellengruppe des Landes. Sie kontrolliert große Teile Kolumbiens.
Die Regierung hat es inzwischen ausgeschlossen, die Vernichtung der Drogenfelder abzubrechen. Seit der Entführung sei in der Region der Entführung aber kein Gift mehr versprüht worden, sagte Diaz.
Fischer schaltet sich ein
Am Donnerstag hatte sich auch Bundesaußenminister Joschka Fischer in die Bemühungen zur Freilassung eingeschaltet. In einem Telefonat mit seinem kolumbianischen Kollegen Guillermo Fernandez de Soto bat er die Regierung, alles zu unterlassen, was das Leben der Geiseln gefährden könnte. Nach Angaben kolumbianischer Medien besteht die deutsche Botschaft "auf einer sofortigen bedingungslosen Freilassung. Wir weisen darauf hin, dass das Projekt der GTZ dem Frieden dient." Auch die Regierung in Bogota verurteilte die Entführung energisch. Solche Taten seien keine angemessene Reaktion auf die ausländische Hilfe bei der Befriedung des Landes, hieß es in einer Erklärung des kolumbianischen Außenministeriums. Die Behörden täten "alles in ihrer Macht stehende, um eine schnelle Rückkehr der Deutschen" zu ermöglichen.
In Deutschland kümmerten sich unterdessen Spezialisten des niedersächsischen Landeskriminalamtes um die Angehörigen der Entführten aus Barsinghausen (Kreis Hannover) und Nienstädt (Kreis Schaumburg). Ähnlich wie im Falle der Göttinger Familie Wallert betreuten psychologisch geschulte Beamte die Verwandten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover. Die beiden Ehefrauen der Gebrüder Künzel harrten weiter in der Provinz Cauca in einem Hotel aus.