Kolumbien: Todesschwadrone nehmen 200 Geiseln - DER SPIEGEL
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Kolumbien Todesschwadrone nehmen 200 Geiseln

Es ist die größte Massen-Entführung in der Geschichte Kolumbiens: Rechte Todesschwadronen haben im Osten des Landes rund 200 Landarbeiter verschleppt. Grund sind wohl Rivalitäten mit linken Rebellen.
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Bogota - Die Landarbeiter waren zu Fuß, per Fahrrad oder in Bussen auf dem Heimweg aus einer Ölpalmen-Plantage, als sie von den rechtsgerichteten Paramilitärs überfallen wurden. Das teilte der Kommandeur der kolumbianischen Streitkräfte in der Hauptstadt Bogota mit. Er sprach von bis zu 207 Entführten. Die Staatsanwaltschaft geht von 202 Geiseln aus, das Militär von 190. Die meisten Entführten sind offenbar junge Männer.

In einem Fax an eine TV-Station bekannten sich die Vereinigten Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens (AUC) zu der Tat. Die Gruppe erklärte, die meisten Geiseln sollten bald freikommen. Mit der Entführung habe sie auf Versuche linksgerichteter Guerilleros reagiert, das einträgliche Geschäft mit Ölpalmen in der Region Casanare zu übernehmen. Radio Caracol berichtet, die Paramilitärs wollten lediglich die "Lebensläufe" der Entführten überprüfen, um zu ermitteln, inwieweit die Region durch linke Rebellen unterwandert sei. Es hieß, 26 Geiseln sollten aber in der Hand der Entführer bleiben.

Die Erklärung der Paramilitärs war vom "Kommandant HK" unterzeichnet. Er war erst am vergangenen Wochenende aus dem Gefängnis ausgebrochen, teilten kolumbianische Behörden mit.

Besorgte Angehörige demonstrieren

Präsident Andrés Pastrana gab bekannt, als Reaktion seien Truppen in die Gegend abkommandiert worden. Die Streitkräfte würden jedoch vorsichtig vorgehen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden. Vor dem Rathaus der Stadt Villanueva versammelten sich derweil rund 200 besorgte Angehörige der Verschleppten.

In Kolumbien wurden im Jahr 2000 rund 3700 Menschen entführt, schätzt die Polizei. Allein die AUC soll nach Angaben der Regierung seit Jahresbeginn 500 Zivilisten umgebracht haben. Den meisten habe sie Unterstützung linker Aufständischer vorgeworfen.