STÄDTE Kommunizierende Säule
Wer im nächsten Frühling durch London oder Wien spaziert, könnte auf einen seltsamen drei Meter hohen, zylindrischen Rundbildschirm stoßen, auf dem offenbar anderswo herumspazierende Menschen zu sehen sind. Und wer an den Rundbau (Durchmesser: sieben Meter) herantritt, könnte entdecken, dass er von den Menschen aus der anderen Stadt gesehen wird. Winkt er jemandem, winkt der vermutlich zurück. Grund: Der Mega-Zylinder ist technologisch hochgerüstet, in seinem Innern befindet sich ein komplexes Netz aus Videokameras und Projektoren, die Live-Bilder in sechsfacher Fernsehbildqualität auf eine Projektionsfläche übertragen. Richtmikrofone und Lautsprecher machen persönliche Gespräche mit dem Gegenüber möglich. So kann man sich mit jemandem unterhalten, als würde man ihm gegenüberstehen - obwohl er gerade über tausend Kilometer entfernt ist. Entwickelt hat das nach antiken griechischen Rundbauten »Tholos« benannte System der österreichische Kameramann Andreas Traint, 30, nach »fünf Jahren heimischer Tüftelarbeit«. Bisher sind die Zylinder lediglich für Wien und London geplant, doch die Entwickler hoffen, dass ihr »interaktives Videofonieren« bald in allen europäischen Metropolen genutzt werden kann. Später sollen auch Standorte in Nordamerika hinzukommen. Finanzieren soll sich die teure Videokonferenz der Zufallsbekanntschaften (über zwei Millionen Euro pro Mega-Bildschirm) durch Kulturförderungen der Städte und zeitweise gleichzeitig auf dem Bildschirm laufende Werbung, für die sich im Moment besonders Unternehmen aus der Tourismusbranche interessieren.