Kostüm-Skandal "Harry hat eine Pause verdient, wirklich"
London - "Ich hoffe, die Welt nimmt seine Entschuldigung an", sagte Sarah Ferguson, die Herzogin von York. "Ich weiß, wie es ist, schlechte Presse zu haben", sagte die geschiedene Frau des britischen Prinzen Andrew. Die Medien sollten Harry nun in Ruhe lassen. "Er hat eine Pause verdient, wirklich". Sie unterstütze den Prinzen "hundertprozentig", erklärte die Herzogin. Ihr Neffe sei ein "toller Junge", auf den seine Mutter, die 1997 bei einem Unfall in Paris getötete Prinzessin Diana, stolz gewesen wäre.
Der Prinz hatte mit seinem Auftritt im Nazi-Kostüm Empörung im In- und Ausland ausgelöst. Der jüngere Sohn von Prinz Charles, 56, war am vergangenen Samstag mit einer Hakenkreuzbinde zu einer Kostümparty erschienen. Später hatte er schriftlich mitteilen lassen, dass es ihm Leid tue. "Dieses Kostüm war schlecht gewählt, und ich entschuldige mich." Führende Politiker forderten Harry jedoch auf, sich im Fernsehen noch einmal persönlich zu entschuldigen.
Prinz Charles, der heute von Unwettern und Flut geplagte Stadt Carlisle besuchte, wurde zweimal von Reportern auf seinen Sohn und dessen Kostüm angesprochen. Er nahm keine Stellung zu dem Thema. Einem Zeitungsbericht zufolge hat Charles seinem Sohn einen Besuch in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz verordnet. Harrys älterer Bruder William solle ihn dabei begleiten, schrieb das britische Boulevardblatt "Sun" heute unter Berufung auf nicht näher genannte königliche Quellen. Prinz Charles "glühe vor Zorn" wegen Harrys Verhalten und wolle, dass er im ehemaligen Vernichtungslager in Polen mehr über den Holocaust erfahre. "Es wird kein öffentlichkeitswirksamer Besuch sein, sie werden dies mit einer jüdischen Stiftung machen", zitierte das Blatt die Quelle.
Prinz Harry hatte mit dem Party-Auftritt in einem an Nazi-Uniformen angelehnten Kostüm bei jüdischen Verbänden und der britischen Öffentlichkeit Empörung ausgelöst. Die "Sun" hatte den Skandal am Donnerstag mit einem Foto auf ihrer Titelseite ins Rollen gebracht. Es zeigte Harry im Kostüm mit einer Hakenkreuzbinde am Arm. Auch sein Bruder William hatte an der privaten Party in Südwestengland teilgenommen - als Wildkatze verkleidet. In dem Zeitungsbericht hieß es weiter, William habe eine Mitschuld an den Ereignissen eingeräumt, da er seinen Bruder begleitete habe, als dieser die Uniform bei einem Kostümverleih besorgt habe.
Ein Sprecher von Prinz Charles lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. In Kreisen des Königshauses hieß es, es sei nicht geplant, dass Harry und William die offizielle britische Delegation am 27. Januar nach Auschwitz begleiteten, wenn der Befreiung des Vernichtungslagers vor 60 Jahren gedacht werden soll. Es wurde jedoch offen gelassen, ob ein Besuch zu einem anderen Zeitpunkt geplant ist.
Der Rat britischer Juden teilte mit, er sei bislang nicht von der Königsfamilie kontaktiert worden, würde aber einen Besuch der Prinzen in Auschwitz begrüßen. Harry hatte sich in einer schriftlichen Erklärung für die "erbärmliche Auswahl" seines Kostüms entschuldigt.
Das Thema dominierte heute britische Fernsehsendungen ebenso wie die Schlagzeilen der Presse. Eine australische Tageszeitung titelte: "Heil Harry: Ein Prinz tritt im Stechschritt aus der Reihe". Auf der Titelseite der "New York Times" war in riesigen Lettern zu lesen: "Königlicher Nazi". Die "Sun" schrieb, der Skandal hätte auch weitaus größer ausfallen können - nämlich wenn sich Harry für eine schwarze Uniform der SS entschieden hätte.