Kranker Papst Kardinal heizt Rücktrittsgerüchte an
Rom - Viele italienische Zeitungen befassten sich heute auf der Titelseite mit den Bemerkungen von Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, der als möglicher Nachfolger des Papstes im Gespräch ist. Auf die Frage eines Journalisten, ob Johannes Paul über einen Rücktritt nachdenke, hatte Sodano gesagt: "Überlassen wir diese Hypothese dem Gewissen des Papstes." Weiter hatte Sodano gesagt, der Papst wisse am besten, was zu tun sei: "Wenn es einen Mann gibt, der die Kirche mehr als jeder andere liebt, der vom Heiligen Geist geleitet wird, und wenn es einen Mann von großer Weisheit gibt, dann ist er das. Wir müssen großes Vertrauen in den Papst haben."
Als überraschend gewertet wurde die Tatsache, dass Sodano einen Rücktritt nicht explizit ausschloss. Beobachter werteten dies als Zeichen, dass diese Option im Vatikan durchaus diskutiert wird - obwohl Johannes Paul selbst wiederholt eine Amtsniederlegung ausgeschlossen hatte.
Der italienische Kardinal Mario Francesco Pompedda sagte der Tageszeitung "La Stampa", der Papst könne die Kirche leiten, selbst wenn er nicht in der Lage wäre zu sprechen. "Es reicht aus, dass der Wille ausgedrückt werden kann, und zwar eindeutig", sagte Pompedda in dem heute veröffentlichten Interview. "Das kann ebenso gut schriftlich geschehen oder auch durch deutliche und aussagekräftige Gesten."
Planspiele über einen Papstrücktritt kursieren bereits seit fünf Jahren: Im Januar 2000 hatte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der heutige Kardinal Karl Lehmann, das Wort "Rücktritt" in die Debatte geworfen und dafür seinerzeit noch reichlich Kritik einstecken müssen. Später äußerte sich sogar Kurienkardinal Joseph Ratzinger ganz ähnlich: "Wenn er (der Papst) sehen würde, dass er absolut nicht mehr kann, dann würde er sicher zurücktreten."
Das US-Magazin "Inside the Vatican" hatte kürzlich berichtet, Johannes Paul wäre an seinen Atembeschwerden am 1. Februar fast gestorben. Als der Papst ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wäre er ohne Behandlung binnen zehn Minuten erstickt, schrieb das Magazin. Ein Beamter des Vatikans bestätigte der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage, der Zustand des Papstes sei zum Zeitpunkt seiner Einlieferung "sehr ernst" gewesen.
Die Regularien der römisch-katholischen Kirche stünden einem Rücktritt von Johannes Paul II. nicht entgegen. Allerdings wurde in der langjährigen Kirchengeschichte von diesem Recht kaum Gebrauch gemacht. Die letzten Päpste, die auf ihr Amt verzichteten, waren Cölestin V. im Jahr 1294 und Gregor XII. um 1415.