Kreuzweg in Rom Papst zu schwach?
Rom - Stattdessen wollte der 80-jährige Pontifex am Karfreitagabend vom Palatinshügel die Prozession beobachten. Dabei werde der gesundheitlich geschwächte Papst knien und beten, berichtete die italienische Zeitung "Corriere della Sera". Unter Gläubigen und Geistlichen nehme die Sorge um den Gesundheitszustand des Papstes zu. Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten im Vatikan ist am Sonntag der traditionelle Papst-Segen Urbi et Orbi - der Stadt und dem Erdkreis.
An der vom Fernsehen live übertragenen Via Crucis in Rom nehmen alljährlich Tausende von Pilgern teil. Trotz seiner Gehbehinderung hatte Johannes Paul die beschwerliche Prozession im Jubiläumsjahr 2000 noch selbst angeführt. Diesmal habe er sich dem Drängen seines Arztes Renato Buzzonetti und enger Mitarbeiter gebeugt. "Gestützt auf einen Stock oder Stab kann der Pontifex noch kurze Strecken zurücklegen", schreibt der "Corriere". "Ohne Stock sind es nur noch wenige Schritte." Trotzdem wollte der Papst laut Vatikan auf der letzten der 14 Stationen das Kreuz selbst tragen.
Sichtlich erschöpft hatte Johannes Paul am Gründonnerstag die Feierlichkeiten im Vatikan eröffnet. Auf einen Stock gestützt zog er in die Lateranbasilika in Rom ein. Dort wusch und küsste er in Erinnerung an das Letzte Abendmahl zwölf Priestern die Füße. Zuvor war der Pontifex auf einem rollbaren Podest durch den Mittelgang des Petersdomes geschoben worden. Mit Mühe stieg er die Stufen zum Altar hinauf, tief gebeugt stützte er sich auf seinen Stab. Am Karfreitag- Mittag nahm der Papst einigen Gläubigen im Petersdom die Beichte ab.
Laut "Corriere" werden inzwischen Teppiche, Fußschemel und Stufen um den Stuhl des Papstes beseitigt. Johannes Paul, der am 18. Mai 81 Jahre alt wird, leidet an der Parkinsonschen Krankheit und ist seit seiner Hüftoperation 1994 gehbehindert. Die stundenlangen Zeremonien bedeuten für ihn eine schwere Strapaze. Dennoch wolle er sich nicht ausruhen und auf Fernreisen wie Anfang Mai nach Syrien oder Ende Juni in die Ukraine verzichten.
Auch in diesem Jahr sind Zehntausende von Touristen und Gläubigen zu den Osterfeiern nach Rom gekommen. Die Ewige Stadt präsentiert sich bei strahlendem Sonnenschein von ihrer schönsten Seite: Ein Meer von weißen und violetten Azaleen schmückt etwa die Spanische Treppe im Historischen Zentrum.