Krokodile in Uganda: Fischer am Victoriasee haben Angst - DER SPIEGEL
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Uganda: Krokodile auf Menschenjagd

Foto: PETER BUSOMOKE/ AFP

Fischer in Uganda Die Furcht vor den Riesen-Krokodilen

Unter den Fischern am Victoriasee wächst die Angst: Riesige Krokodile bevölkern das Gewässer, erst kürzlich wurde ein 800-Kilo-Exemplar gefangen. Da es immer weniger Fische gibt, machen die Reptilien vermehrt Jagd auf Menschen.
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Kampala - Karim Oneyi war mit seinem Fischerboot auf dem Victoriasee in Uganda unterwegs, als es passierte: "Kurz vor Sonnenuntergang, als ich gerade in der Nähe des Strandes angelte", sagt der 40-Jährige aus dem Ort Wairaka, 95 Kilometer östlich der Hauptstadt Kampala. "Plötzlich entdeckte ich ein seltsames Gebilde im Wasser, das wie Seegras aussah. Aber dann schnappte es sich meine Hand und zog mich in die Tiefe."

Oneyi war in die Fänge eines hungrigen Krokodils geraten. Helfer eilten herbei, vertrieben das Tier mit Stockhieben. Sein Bruder wurde Opfer eines ähnlichen Angriffs. Er trug schwere Wunden an beiden Armen davon.

Immer wieder sorgen die besonders großen Reptilien aus Uganda für Schlagzeilen - zuletzt, als Tierschützern Ende März ein 800-Kilo-Krokodil ins Netz ging. Es hatte zuvor mindestens sechs Menschen gefressen. Das größte jemals in Uganda gefundene Exemplar wog mehr als tausend Kilogramm und soll nach Angaben der staatlichen Tierschutzbehörde UWA bis 2005 mindestens 83 Menschen getötet haben.

Neben dem Victoriasee bevölkern die Tiere auch den Albertsee, den Kyogasee und den Weißen Nil. Nach UWA-Angaben starben allein seit dem Jahr 2000 mehr als 340 Menschen durch Angriffe der großen Reptilien. "Krokodile sind in Uganda ein sehr ernstes Problem", sagt UWA-Direktor Peter Ogwang. Ihr Appetit auf Menschen werde angeregt, weil die Seen überfischt seien: "Es gibt nicht mehr genug Fisch für die Tiere zu fressen, also greifen sie Menschen an."

"Wir habe nur seine Beine beerdigen können"

Viele Bürger sind wütend auf die Regierung, weil diese es verpasst habe, die Fische in den Seen besser zu schützen. "Selbst siebenjährige Kinder dürfen schon angeln gehen, um den Eltern zu helfen", sagt Hamza Mugarya. Laut dem Uno-Fischereibericht für Afrika aus dem Jahr 2012 ist Uganda trotz mittlerweile abnehmender Tendenz noch immer mit Abstand der größte Produzent von Süßwasserfisch auf dem Kontinent.

Wie viele Krokodile es in dem Land insgesamt gibt, ist unklar. Jüngsten UWA-Zählungen zufolge wurden aber allein in einem kleinen Gebiet im Nordwesten des Albertsees mehr als 600 Exemplare registriert. Da sich immer mehr Menschen rund um die Seen ansiedelten, gebe es auch immer mehr Beute für die gefährlichen Reptilien.

Insgesamt konnten in den vergangenen zehn Jahren 79 Krokodile eingefangen und in Nationalparks umgesiedelt werden. Die Behörden versuchen auch, die Bevölkerung zu mehr Vorsicht zu erziehen: "Wir raten den Leuten, nicht mehr schwimmen zu gehen und sich kein Wasser aus den Seen zu holen", sagt UWA-Experte Charles Tumwesigye. "Wir erklären, dass sie zum Fischen größere Boote nehmen und uns sofort alarmieren sollen, wenn sie ein Krokodil sehen."

Unter den Anwohnern, die täglich auf die Seen hinausfahren, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, geht weiter die Angst um. "Krokodile sind wahnsinnig schlau und schnell", sagt der Fischer Henry Nnyanzi. "Sie greifen an, bevor man sie sieht oder hört." Vor einigen Jahren sei ein Freund ganz in der Nähe in Stücke gerissen worden. "Wir habe nur seine Beine beerdigen können, den Rest seines Körpers hatte das Krokodil verschlungen."

wit/dpa

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