Kugeln ade: Computer killt Lottofee - DER SPIEGEL
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Kugeln ade Computer killt Lottofee

Bei der neuen Lotterie "Keno" wirbeln keine Kugeln mehr durch Trommeln oder Plastikröhrchen - die Gewinnzahlen werden in einem eigens konstruierten Computer gezogen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Für die Ziehung der Keno-Zahlen haben wir einen Rechner entwickelt, der fehlertolerant und ausfallsicher ist", sagt Sergio Montenegro vom Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik. Der Zahlengenerator steht in der Lotto-Hessen-Zentrale Wiesbaden. Am 2. Februar startet das neue Glücksspiel "Keno" gleichzeitig auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Der Computer würfelt dann an jedem Werktag 20 Gewinnzahlen zwischen 1 und 70 aus. Auf den Keno-Tippscheinen können Spieler zwei bis zehn Ziffern ankreuzen. Den Hauptgewinn erzielt, wer zehn Euro setzt und mit allen zehn Zahlen Glück hat.

"Um zu gewährleisten, dass die Ziehung der Zahlen auch wirklich dem Zufall überlassen bleibt, wurde der Rechner als Kombination aus zwei Generatoren realisiert", erklärt Entwickler Montenegro. Einer von beiden, der "Pseudo-Random-Generator", bestehe aus einer Software, die statistisch gleich verteilte Zahlen generiere.

Pseudo-Zufall und Infrarot

Der zweite Generator erzeuge mit Hilfe eines Transistors Hardware-Rauschen. Dies wird verstärkt und digitalisiert, um so zusätzlich unvorhersehbare Daten zu erhalten. Beide Generatoren gemeinsam sorgen für ein Zahlenergebnis nach dem Zufallsprinzip. "Jede Zahlenkombination hat dieselbe Chance", so Montenegro.

Das System sei bereits vom TÜV geprüft worden, der keine Manipulationsmöglichkeiten festgestellt habe. "Wir wollen den Programmcode noch veröffentlichen", sagt Montegro im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Der Zufallscomputer hat keinen Stecker und keine Verbindung nach außen". Die gezogenen Zahlen würden per Infrarot an die Visualisierungseinheit übermittelt, die die Daten direkt an den Hessischen Rundfunk und somit die Zuschauer weiterleite.

Pseudo-Random-Generator, Infrarotübertragung und TÜV-Plakette - ob das die Lotto-verrückten Deutschen überzeugt, die jährlich für acht Milliarden Euro tippen? Technikskeptiker haben die Macher des neuen Spiels "Keno" jedenfalls nicht als Zielgruppe auserkoren. "Mit dem neuen Glücksspiel möchten wir auch jüngere Zielgruppen ansprechen", sagt ein Sprecher von Hessen Lotto.

Aber werden die Jüngeren der Computer-Ziehung über den Weg trauen, nur weil sie wissen mit man im Internet rumklickt und eine SMS löscht? Von einer transparenten Ziehung kann allerhöchstens bei gewieften Programmierern die Rede sein, die den Programmcode verstehen.

Lottofee? Nein, danke

Hessen Lotto hofft trotzdem auf einen Erfolg. Der Lottocomputer selbst scheint vor allem ein Ergebnis leerer Kassen zu sein. Die laufenden Kosten für ein komplett eingerichtetes Lotto-Fernsehstudio seien relativ hoch, erklärt Montenegro. Sein Computer koste hingegen nur einmalig 58.000 Euro und brauche kein Studio. Die Ergebnisse der Ziehung werden in einer Computeranimation präsentiert - hoch bezahlte Lotto-Feen haben bei "Keno" nichts mehr zu schaffen.

Mit Trostpreisen wollen die Lottomacher offenbar die letzten Zweifler überzeugen: Wer neun oder zehn Zahlen setzt und mit allen daneben liegt, bekommt den doppelten Einsatz zurück. Wer mit acht Zahlen lauter Nieten hat, erhält den einfachen Einsatz.

Das aus China stammende und in 1931 in den USA etablierte Keno-Spiel sei "wahrscheinlich mit das älteste Lotteriespiel der Welt", sagte Hessen-Lotto-Chef Heinz-Georg Sundermann. Die Ziehung wird von Montag bis Samstag jeweils um 18.59 Uhr live vom Hessischen Rundfunk übertragen. Gewinne bis 750 Euro können laut Hessen-Lotto noch am gleichen Abend in den Annahmestellen ausgezahlt werden.

Holger Dambeck