Kunstprojekt in Armenviertel: Schönheit der Farben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Farbe im Armenviertel: "Licht in den Gassen"

Foto: Boa Mistura

Kunstprojekt in Armenviertel Schönheit der Farben

Leuchtende Farben statt grauer Tristesse, positive Botschaften statt Hoffnungslosigkeit: Eine Künstlergruppe hat ein Armenviertel São Paulos zur Ausstellungsfläche gemacht. Die Kunstwerke eröffnen eine neue Sichtweise auf die Favela - allerdings nur aus ganz bestimmten Blickwinkeln.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

São Paulo - AMOR steht in großen Lettern auf den gelben Wänden, DOÇURA auf den roten, BELEZA auf den blauen. Die portugiesischen Worte für Liebe, Gefälligkeit und Schönheit zieren zurzeit ein Armenviertel in São Paulo und sind Teil einer Kunstaktion. Unter dem Namen "Luz nas Vielas" ("Licht in den Gassen") hat die aus Madrid stammende Künstlergruppe Boa Mistura knallige Farben in die kleinen Sträßchen der Favela Vila Brasilândia, eines großen Slums in São Paulo, gebracht.

Die fünf spanischen Künstler haben in den für Brasilândia typischen gewundenen Gassen, die Vielas und Becos genannt werden, Wände, Türen und Fenster mit kräftigen Farben gestrichen. Anschließend wurden die Worte in weiß über die Farbe lackiert.

Dabei wurden aber nicht große ebene Flächen gewählt, sondern ganz bewusst Ecken und Kanten, Türen und Abwasserrohre integriert. Auf diese Weise wurde eine dreidimensionale Illusion geschaffen. Die Schriftzüge wurden so auf die Häuser gemalt, dass sie nur aus einer bestimmten Perspektive unverzerrt erscheinen. Steht man in der richtigen Entfernung und im richtigen Winkel, wird das Wort korrekt angezeigt. Neben den schon erwähnten Begriffe BELEZA, AMOR und DOÇURA sind auch FIRMEZA (Stabilität) und ORGULHO (Stolz) zu lesen.

"Das Projekt konzentriert sich auf die kleinen Gassen, weil sie der wahre Ausdruck des Innenlebens der Gemeinschaft sind", erklären die Künstler auf ihrer Website . Ein wichtiger Teil des Projekts sei gewesen, die Transformation zusammen mit den Anwohnern durchzuführen. Die Bewohner empfingen die Künstler mit offenen Armen, 15 Tage lang arbeiteten sie im Januar zusammen an den Gemälden. "Am Ende waren die Menschen wie unsere Familie", sagte einer der Künstler laut BBC Brasilien.

Einer der Künstler erzählt, warum die Wahl ausgerechnet auf dieses Viertel in São Paulo fiel. "Eigentlich hat Vila Brasilândia uns erwählt. Da war etwas Magisches", sagte Künstler Paul Carrillo der BBC Brasilien . "Wir gingen mit offenen Augen durch São Paulo", ergänzte Künstler Dimas. Dann sei die Gruppe auf Vila Brasilândia gestoßen.

Die fünf Künstler haben ihre Arbeit nach eigenen Angaben in verschiedenen Bereichen entwickelt und bringen somit unterschiedliche Stile und Perspektiven zusammen. Dazu gehören Graffitis und andere Wandgemälde, aber auch Grafikdesign und Illustrationen. "Boa Mistura will der Welt ihre Farben wiedergeben", lautet die Botschaft der Künstler.

Das Projekt in São Paulo ist Teil einer Serie, mit der Boa Mistura mit Hilfe von Kunst armen Gemeinden ein Werkzeug für Inspiration und Veränderung an die Hand geben will. Die Kunstrichtung heißt Participative Urban Art, also Stadtkunst, an der die Bewohner teilhaben. Die Aktion wird von der spanischen Botschaft in Brasilien, einem Farbhersteller und einer Fluggesellschaft unterstützt.

siu

Mehr lesen über