Kunstraub: Gestohlene Meisterwerke waren nicht versichert - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kunstraub Gestohlene Meisterwerke waren nicht versichert

Die beiden geraubten Munch-Gemälde hatten nach Angaben des Museums keinen Versicherungsschutz für den Fall des Diebstahls. Obwohl es nach Expertenansicht keine Käufer für die weltberühmten Bilder gibt, sind bislang noch keine Lösegeldforderungen eingegangen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Oslo - Nach Zeitungsberichten waren die beiden am Sonntag geraubten Gemälde nur gegen Feuer- und Wasserschäden versichert. Eine Diebstahlversicherung sei zu teuer gewesen, sagte John Öyaas von der zuständigen Versicherung. Die Bilder seien "unersetzlich".

Betreiber des 1963 erbauten Museums ist die Stadt Oslo. Es beherbergt etwa 1000 Gemälde, 3000 Zeichnungen und 18.000 Drucke. Allein der Wert des gestohlenen Bildes "Der Schrei" wird auf 54 Millionen Euro geschätzt.

Der Chef des Munch-Museums, Gunnar Sörensen, wollte keine Angaben dazu machen, ob das Museum auf eine eventuelle Lösegeldzahlung vorbereitet sei. Er appelierte an die Diebe, vorsichtig mit den gestohlenen Meisterwerken umzugehen.

Es sei bislang noch kein Lösegeld gefordert worden, teilte die Polizei in Oslo mit. Der ehemalige Leiter der Scotland-Yard-Abteilung für Kunstdelikte, Charles Hill, riet der Museumleitung von solchen Zahlungen ab. Hill sagte, die Räuber seien vorgegangen "wie Kopfgeldjäger". Die Täter "stehlen Gemälde wie Trophäen, ohne zu wissen, was sie damit machen sollen", sagte Hill dem norwegischen Rundfunksender NRK. Nach Expertenmeinung gibt es keinen geheimen Käufermarkt für so bekannte Gemälde wie "Der Schrei".

Mit der Anwendung von Waffengewalt wie beim Raub in Oslo habe der Kunstdiebstahl "eine neue Qualität" bekommen, sagte der Kölner Kunsthistoriker und Publizist Stefan Koldehoff. Weltweit gehe die Polizei davon aus, dass die Zahl derart brutaler Überfälle auf Museen weiter zunehmen dürfte.

Die Ermittler haben noch keine neuen Hinweise auf die Identität der Täter. Die Videobänder der Museumskameras seien weniger brauchbar, als die Polizei erwartet habe. Auch die Qualität der Fotos, die Besucher von den Dieben gemacht haben, sei nicht so gut wie erhofft, sagte ein Polizeisprecher.