"Kursk" Erster Matrose beigesetzt
St. Petersburg - Etwa 1000 Menschen erwiesen dem Seemann die letzte Ehre. Ein Brief, der bei dem 27-Jährigen gefunden wurde, ließ darauf schließen, dass mindestens 23 der 118 Besatzungsmitglieder des Atom-U-Boots nicht sofort nach dem bisher ungeklärten Unglück tot waren. Zwölf Leichen wurden bislang aus dem Wrack in mehr als 100 Meter Tiefe geholt. Taucher setzten auch am Donnerstag ihre Bergungsarbeit in der Barentssee fort.
Kurz nach zwei Explosionen an Bord der "Kursk" war Kolesnikow am 12. August zusammen mit 22 Kameraden in Sektion 9 des U-Bootes gelangt. Dort kritzelte er nach einem Stromausfall im lichtlosen Raum auf ein Papier: "Es gibt keinen Grund zum Verzweifeln. Es ist zu dunkel zum Schreiben, ich werde versuchen, es nach Gefühl zu tun. Es scheint, als gebe es keine Hoffnung. Lasst uns zu 10 bis 20 Prozent hoffen, dass dies noch jemand liest." Eine vergrößerte Kopie des Schreibens wurde unter Glas in der Trauerhalle ausgestellt.
Die russische Marine hatte zunächst erklärt, alle Seeleute seien bereits unmittelbar nach der Havarie umgekommen. Die Regierung wurde kritisiert, weil sie Hilfsangebote aus dem Ausland zur Rettung der Besatzung erst sehr spät angenommen hatte. Für Kolesnikow und drei andere Besatzungsmitglieder hatte die russische Marine am Sonntag am Stützpunkt der Nordmeerflotte in Seweromorsk eine Trauerfeier abgehalten.
In Moskau überreichte die britische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Vanessa Redgrave unter Tränen einen Scheck in Höhe von 2900 Dollar für die Angehörigen. Das Geld sei spontan nach einem ihrer Auftritte im Londoner Globe Theater vom Publikum gespendet worden, sagte Redgrave, die außer für ihre Schauspielkunst auch für ihr politisches und soziales Engagement bekannt ist. Sie habe vom Schicksal der Seeleute im Theater erfahren und nur noch an sie und ihre Familien gedacht, sagte Redgrave, die während der Pressekonferenz teilweise ihr Gesicht in den Händen verbarg. "Ihr sollt wissen, dass wir euch nicht vergessen."
Drei weitere Leichen identifiziert
Ein russischer Marinesprecher sagte im Fernsehen, russische und norwegische Spezialtaucher hätten an einer zweiten Stelle die Außenwand des Wracks durchstoßen, und zwar in der Sektion 3. Es werde derzeit darüber beraten, ob die Taucher in das Loch einsteigen oder ein Loch in die Außenwand der Sektion 4 bohren sollen. Der Bug des U-Boots war durch die Explosionen besonders stark beschädigt worden. Nach Angaben des Sprechers wurden zudem drei weitere Leichen identifiziert.