"Kursk" Unglücksursache soll ein Geheimnis bleiben
Moskau - Ein schadhafter Torpedo soll noch im Rohr explodiert sein und eine Kettenreaktion ausgelöst haben. Die Frage, ob eine Fehlkonstruktion oder schlampige Wartung die Katastrophe auslöste, wird in Russland nur hinter verschlossenen Türen erörtert. Auch Präsident Wladimir Putin selbst scheut bislang vor deutlichen Worten zurück, nachdem die Marineführung über Monate den Zusammenstoß mit einem U-Boot der Nato als mutmaßliche Ursache genannt hatte.
Die Vorbereitungen zur Hebung der 18.000 Tonnen schweren "Kursk" aus den Tiefen der Barentssee laufen auf vollen Touren. Zurzeit fräsen Spezialtaucher in 100 Meter Tiefe Löcher in den Rumpf des Unterwassergiganten. An 26 Stahlseilen soll das Wrack Mitte September angehoben und unter dem 140 Meter langen Ponton "Giant" (Gigant) festgemacht werden.
Die Bergung kostet vermutlich 50 Millionen Dollar. Entgegen früheren Ankündigungen soll in diesem Monat zuerst der zerstörte Bug mit Hilfe einer ferngesteuerten Säge vom Wrack abgetrennt werden. Die vordere Torpedokammer mit ihren hochexplosiven Munitionsresten könnte beim Anheben abreißen. Computergesteuert sollen auf den Ponton "Giant" montierte Hydraulikheber die gigantische Last langsam nach oben ziehen.
Bis knapp unter die Wasseroberfläche angehoben, wird die "Kursk" in Richtung Küste geschleppt. Dort nehmen zwei jeweils 100 Meter lange Spezialpontons den "Giant" Huckepack und heben ihn mit dem "Kursk"-Wrack in das geheime Trockendock Rosljakowo bei Murmansk.
Aber kein Journalist wird das gehobene Wrack im Dock des Hafens filmen können. "Der Zielort ist für keine Kamera zugänglich", sagen Kreml-Mitarbeiter. "Top secret!"