Kurze Hose: Warum Männer endlich mit Shorts ins Büro gehen sollten - DER SPIEGEL
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Männer in kurzen Hosen sind die Helden der Gleichberechtigung

Kurz und knapp!
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Dieser Beitrag wurde am 03.06.2018 auf bento.de veröffentlicht.

Der Mai 2018 war der heißeste seit 130 Jahren. Ganz Deutschland ächzt unter einer gnadenlosen Hitzewelle. Wobei, eigentlich stimmt das nicht. Denn während Frauen sich mit luftigen Sommerklamotten Abkühlung verschaffen, quälen sich viele Männer in Anzügen, Jeans und langen Hosen zur Arbeit. 

In überfüllten U-Bahnen schwitzen sie in ihren Sitzen, der Schweiß steht ihnen schon morgens auf der Stirn. Alles an ihnen schreit: Ich trage eine Jeans, bei 30 Grad im Schatten!

Einige Ausreißer gibt es, doch die Männer in Shorts werden hierzulande belächelt. Kindisch und unprofessionell sei das nackte Männerbein, ist man sich auf den meisten Büroetagen des Landes einig. 

"Du siehst aus wie ein Bademeister", sagte mein Chef gerade erst heute zu mir. Bei vielen Arbeitgebern, von der Bank bis zur Uni, sind Shorts sogar verboten. (SPIEGEL ONLINE)

2017 gingen Männer aus Protest gegen diese ungerechte Politik sogar im Sommerkleid oder Rock zur Arbeit. (SPIEGEL ONLINE)

Angestoßen hatte die Aktion der Brite Joey Barge, der bei seinem Job im Callcenter keine kurze Hose tragen durfte – einem Arbeitsplatz also, an dem man faktisch nackt arbeiten könnte, ohne dass Kunden es merken. 

Es ist 2018, die öffentliche Diskussion hat sich glücklicherweise inzwischen weitestgehend darauf geeinigt, Frauen nicht mehr für ihr Gewicht, ihr Make-up oder die Länge ihres Rockes zu verurteilen. Es ist Zeit, dass auch Männer ihre Jeans zerschneiden, ihre Anzughosen symbolisch verbrennen und für die Freiheit kämpfen, ihre Haut zwischen Knie und Knöchel präsentieren zu dürfen. 

Ich fordere: #Beinfrei!

Klar: Männerbeine können witzig aussehen. Man stelle es sich einmal vor: Frank Walter-Steinmeier eröffnet in stylischen Bermudas eine Wirtschaftsmesse. Günther Jauch kratzt sich bei der 500.000-Euro-Frage keck am freigelegten Knie. Den Kontowechsel bei der Sparkasse vollzieht ein Sachbearbeiter mit freigelegtem "ACAB"-Wadentattoo.

Das wäre ungewohnt. Aber nur kurz. 

Männer: Warum schwitzen wir, für wen oder was? Wem wollen wir damit etwas beweisen? Was ist würdevoll am dunkel eingefärbten Rücken? Und was ist professionell daran, am Schreibtisch einen Hitzschlag zu erleiden?

Ich glaube, dass unsere offene Gesellschaft ein paar haarige Waden ertragen kann. Außerdem schaue ich mir lieber lustige Männerbeine an, als in der U-Bahn im kochenden Schweißfleck eines Anzugträgers zu sitzen.