Langzeitstudent Motassadeq klagt auf Studienplatz
Hamburg - "Ich habe heute die Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht", sagte Anwalt Josef Gräßle-Münscher am Freitag. Motassadeq hatte an der TU Elektrotechnik studiert. Die Universität hatte den 30-Jährigen nach der Verurteilung im vergangenen Jahr vom weiteren Studium ausgeschlossen.
Die TU hatte es abgelehnt, Motassadeq nach seiner Freilassung wieder aufzunehmen, weil er ein Camp in Afghanistan zur Kampfausbildung besucht habe und dies nicht mit der "friedlichen Grundhaltung" der Studenten zu vereinbaren sei. "Diese Argumentation hat juristisch keinen Bestand", sagte Gräßle-Münscher der Nachrichtenagentur.
Motassadeq müsste zum Studium nicht an die Universität zurück, denn er hat laut Anwalt nur noch ein Fachpraktikum zu absolvieren, sowie die Diplomarbeit und die Prüfungen.
Das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) hatte Motassadeq unter strengen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Richter halten ihn nicht mehr für dringend tatverdächtig, Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen geleistet zu haben. Motassadeq war vom OLG vergangenes Jahr zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, weil er der Hamburger Terrorgruppe um den Todespiloten Mohammed Atta bei Geldgeschäften geholfen haben soll. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und ordnete eine Neuverhandlung an. Der Prozess beginnt voraussichtlich am 10. August.