Lassa-Fieber: Ärzte kämpfen um das Leben der Studentin - DER SPIEGEL
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Lassa-Fieber Ärzte kämpfen um das Leben der Studentin

Die nächsten zwei Tage seien entscheidend, sagte der behandelnde Arzt. Die 23-jährige Studentin hatte sich das potenziell tödliche Virus in Afrika geholt.
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Würzburg - Die an Lassa-Fieber erkrankte Patientin in Würzburg hat das medizinische Stadium der Krise erreicht. Der Chefarzt der Tropenmedizinischen Abteilung an der Missionsärztlichen Klinik, Professor Klaus Fleischer, sagte am Donnerstagvormittag vor Journalisten, in den nächsten 24 bis 48 Stunden werde sich entscheiden, "wohin die Reise geht". Das Wort "Lebensgefahr" wollte er aber noch nicht in den Mund nehmen.

Kampf zwischen Viren und Antikörpern

Fleischer unterstrich, dass die Patientin von der ersten Stunde ihres Eintreffens in der Klinik an sofort richtig behandelt worden sei. Laboruntersuchungen am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut hätten aber inzwischen eine Zunahme der Viruslast bestätigt. Ebenso seien in ihrem Blut aber auch viele Antikörper gemessen worden. Zwischen diesen und den Viren finde jetzt ein Kampf in vielen Körperorganen statt. Die Mediziner täten alles in ihrer Macht stehende, diesen Kampf zu Gunsten der Patientin zu entscheiden. Eine Aussage über das Ergebnis sei derzeit aber nicht möglich. Vorher hatten die Ärzte bereits gesagt, es sei bei diesem Krankheitsbild normal, dass sich der Zustand der Betroffenen zunächst einmal verschlechtere, bevor eine Besserung eintrete.

Inzwischen haben sich auch die ersten Kontaktpersonen der Studentin gemeldet, sagte der Leiter des Würzburger Gesundheitsamtes, Konrad Kläß. Das seien im Raum Würzburg bisher drei und in Baden-Württemberg weitere vier Personen. Die Studentin kommt aus Schwäbisch-Hall und hatte sich zunächst dort in einem Krankenhaus behandeln lassen. Die Behörden hatten auch an Mitreisende aus dem Flug appelliert, sich zu melden. Kläß erläuterte, die Betreffenden würden zunächst weder in Quarantäne noch in ärztliche Behandlung genommen. Sie sollten aber zweimal täglich Fieber messen und einen Arzt aufsuchen, wenn die Temperatur über 38,2 Grad steige. Die Ansteckungsgefahr werde aber im Übrigen nach wie vor als gering eingestuft.

Nur Freiwillige behandeln die Patientin

Nach Angaben von Fleischer und des Gesundheitsamts Würzburg wird die Frau als einzige Patientin in einer separaten und mit mehreren Schleusen gesicherten Intensivabteilung behandelt. "Wir haben den Verdacht von Anfang an sehr ernst genommen", versicherte das Amt. Fleischer sagte, das freiwillig eingesetzte medizinische Personal schütze sich mit Atemmasken und Spezialkleidung. Eine Gefährdung sei nahezu ausgeschlossen, weil die Krankheit nicht über Atemluft übertragen werde, es bleibe aber ein "nicht definierbares Restrisiko".

Das Lassa-Virus, das vor allem in Nigeria verbreitet ist, führt zu schweren inneren Blutungen. Selbst bei stationärer Behandlung enden 20 Prozent der Fälle tödlich. Es wurde 1969 erstmals in der nigerianischen Stadt Lassa diagnostiziert. Natürlicher Träger des Virus ist eine wild lebende Ratte. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel über Lebensmittel, die mit dem Urin der Ratten in Berührung kamen. Von Mensch zu Mensch werden die Viren über Blut, Stuhl, Speichel und Erbrochenes übertragen. Erkrankungen kamen bislang fast ausschließlich in Westafrika vor.

Großes Aufsehen erregte 1974 der Fall des deutschen Entwicklungshelfers Bernhard Mandrella, der sich das Virus in Nigeria geholt hatte. Er wurde in einem spezialversiegelten Flugzeug nach Hamburg geflogen. Der damalige US-Außenminister Henry Kissinger hatte sogar eine Weltraum-Isolierstation für den Transport angeboten. Auf dem Hamburger Flughafen nahmen ihn vermummte Helfer in Empfang und brachten ihn unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen nach Uelzen ins Krankenhaus. Nach dreißig Tagen wurde Mandrella geheilt entlassen.