Lassa-Fieber Zustand der Studentin leicht verschlechtert
Würzburg - Wie der Leiter des städtischen Gesundheitsamts, Konrad Kläß, am Vormittag auf Anfrage mitteilte, sei die Nierenfunktion stärker beeinträchtigt als zuvor. Akute Lebensgefahr bestehe vorerst jedoch nicht, betonte Kläß. Auch die als gefährlich eingeschätzten inneren Blutungen seien nicht eingetreten.
Es sei bei diesem Krankheitsbild normal, dass sich der Zustand der Betroffenen zunächst einmal verschlechtere, bevor hoffentlich eine Besserung eintrete, sagte der Leiter des Würzburger Gesundheitsamts. Der Chefarzt der Tropenmedizinischen Abteilung an der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg, Klaus Fleischer, hatte bereits am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz erklärt, dass sich der Zustand der Patientin zunächst noch verschlechtern werde. Dies sei der typische Verlauf der Krankheit, an der die Frau sich während eines Aufenthalts in Westafrika infiziert hatte. Fleischer zeigte sich jedoch zuversichtlich, das potenziell tödliche Fieber in den Griff zu bekommen.
Wie Gesundheitsamtsleiter Kläß weiter mitteilte, haben sich inzwischen auch die ersten Kontaktpersonen der Studentin gemeldet. Das seien im Raum Würzburg bisher drei und in Baden-Württemberg weitere vier Personen. Die Studentin kommt aus Schwäbisch-Hall und hatte sich zunächst dort in einem Krankenhaus behandeln lassen. Die Behörden hatten auch an Mitreisende aus dem Flug appelliert, sich zu melden. Kläß erläuterte, die Betreffenden würden zunächst weder in Quarantäne noch in ärztliche Behandlung genommen. Sie sollten aber zwei Mal täglich Fieber messen und einen Arzt aufsuchen, wenn die Temperatur über 38,2 Grad steige. Die Ansteckungsgefahr werde aber im übrigen nach wie vor als gering eingestuft.
Nur Freiwillige behandeln die Patientin
Nach Angaben von Fleischer und des Gesundheitsamts Würzburg wird die Frau als einzige Patientin in einer separaten und mit mehreren Schleusen gesicherten Intensivabteilung behandelt. "Wir haben den Verdacht von Anfang an sehr ernst genommen", versicherte das Amt. Fleischer sagte, das freiwillig eingesetzte medizinische Personal schütze sich mit Atemmasken und Spezialkleidung. Eine Gefährdung sei nahezu ausgeschlossen, weil die Krankheit nicht über Atemluft übertragen werde, es bleibe aber ein "nicht definierbares Restrisiko".
Das Lassa-Virus, das vor allem in Nigeria verbreitet ist, führt zu schweren inneren Blutungen. Selbst bei stationärer Behandlung enden 20 Prozent der Fälle tödlich. Es wurde 1969 erstmals in der nigerianischen Stadt Lassa diagnostiziert. Natürlicher Träger des Virus ist eine wild lebende Ratte. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel über Lebensmittel, die mit dem Urin der Ratten in Berührung kamen. Von Mensch zu Mensch werden die Viren über Blut, Stuhl, Speichel und Erbrochenes übertragen. Erkrankungen kamen bislang fast ausschließlich in Westafrika vor.
Großes Aufsehen erregte 1974 der Fall des deutschen Entwicklungshelfers Bernhard Mandrella, der sich das Virus in Nigeria geholt hatte. Er wurde in einem spezialversiegelten Flugzeug nach Hamburg geflogen. Der damalige US-Außenminister Henry Kissinger hatte sogar eine Weltraum-Isolierstation für den Transport angeboten. Auf dem Hamburger Flughafen nahmen ihn vermummte Helfer in Empfang und brachten ihn unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen nach Uelzen ins Krankenhaus. Nach dreißig Tagen wurde Mandrella geheilt entlassen.