BIOGRAFIEN Leben seiner Eltern
Wie lautet euer Rezept einer glücklichen Ehe? Der irische Schriftsteller Roddy Doyle wollte es von seinen bald 80-jährigen Eltern wissen und nahm ihre Lebenserinnerungen auf. Dabei ließ er den einen die Erzählungen des anderen kommentieren. Herausgekommen ist - neben der Entdeckung, dass es bei »Rory und Ita«, einem über 50 Jahre verheirateten Paar, nichts genau gleich Empfundenes gibt - ein Porträt des Lebens in Dublin von den zwanziger bis zu den achtziger Jahren. Thema ist nicht das oft in irischer Literatur beschriebene Dasein der Künstler und Guinness-Trinker, sondern der unspektakuläre, mühselige Alltag des unteren Mittelstands mit seinen alltäglichen Katastrophen. Der Mann kämpft um seine Arbeit als Schriftsetzer, die Frau um das Überleben ihrer Kinder. Fehlgeburten und Säuglingstod sind Normalität. Worauf die Mutter stolz sei, möchte Doyle von ihr wissen. Nicht die Tatsache, dass sie fünf Kinder großgezogen hat, nennt sie, sondern dass sie der »für Mensch und Tier gleichermaßen unbekömmlichen« Verbitterung standgehalten habe.
Roddy Doyle: »Rory & Ita. Eine irische Geschichte«. Hanser Verlag, München; 320 Seiten; 21,50 Euro.