Leipzig: Zweijähriger verdurstete in Wohnung - DER SPIEGEL
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Leipzig Zweijähriger verdurstete in Wohnung

Zur Zwangsräumung kam die Gerichtsvollzieherin zu einer Wohnung in Leipzig. Die Entdeckung, die sie machte, war grausig: Der zweijährige Domenic lag verdurstet in der Wohnung. Jetzt werden erste Vorwürfe laut: Das Jugendamt, so meinen Nachbarn, sei zu lange untätig geblieben.
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Leipzig - Die Wohnungstür, hinter der der zwei Jahre alte Domenic aus Leipzig einen qualvollen Tod starb, ist mit Siegeln der Polizei verklebt. Darüber drei bunte Namensschildchen - eines für jeden der drei Menschen, die hier gelebt haben. Das für den kleinen Domenic zeigt eine lustige Eule, die auf einem Tausendfüßler reitet, denen ein struppiger Hund die Zunge herausstreckt. Zu vermuten wäre, dass hier, in der Gletschersteinstraße im Stadtteil Stötteritz, eine glückliche Familie zu Hause war.

Aber hinter der verschlossenen Tür muss sich eine furchtbare Tragödie abgespielt haben: Am Montag fand eine Gerichtsvollzieherin in der verwahrlosten Wohnung den toten Jungen - verdurstet, wie die Obduktion ergab. Vermutlich war der Kleine vor einer Woche gestorben, möglicherweise auch schon vor zwei Wochen.

Die 20-jährige Mutter, gegen die eine Räumungsklage vorlag, wurde bei Bekannten festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Am Dienstagnachmittag sollte sie dem Haftrichter vorgeführt werden. Gegen die junge Frau wird wegen Mordverdacht ermittelt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird gegen den Vater des Kindes nicht ermittelt. Er sitzt seit Februar eine Haftstrafe wegen Diebstahls ab.

Nachbarn im Haus, die Auskunft geben könnten, gibt es nicht. Das Gebäude ist eingerüstet und steht leer, es wird seit einiger Zeit saniert. Frühstückspause im Baucontainer vor dem Haus: "Wir sind erst seit einer Woche in dem Haus, haben nie jemand aus der Wohnung raus- oder reingehen sehen", sagt ein 45-jähriger Bauarbeiter. Der 50-jährige Polier regt sich auf: "Was ich nicht begreife, da haben sich Nachbarn beim Jugendamt beschwert, da sitzen hoch bezahlte Leute im Rathaus, aber getan hat sich nichts. Hinterher ist das Geschrei um das arme Würmchen groß."

Die Rentnerin Christel Fuchs wohnt im Haus gegenüber, mit direktem Blick in die Wohnung der jungen Leute. "Die Frau machte eigentlich einen netten Eindruck, ihr Lebensgefährte weniger", sagt die 60-Jährige. "Die Jalousien waren da fast ständig runter, aber nachts brannte immer Licht. Den kleinen Domenic habe ich selten mal auf dem Hof spielen sehen, ein sehr blasser, blonder Junge."

"Uns kam da alles etwas komisch vor", erzählt die ehemalige Teilkonstrukteurin weiter. "Vor allem, weil sie oft noch spät nachts mit dem Jungen los sind. Deshalb hat sich auch mein Mann an das Jugendamt gewandt. 'Wir nehmen das zur Kenntnis', haben die gesagt." Als sie von der bevorstehenden Zwangsräumung der Wohnung hörte, habe sie gedacht: "Hoffentlich finden die keine Toten. Da hätte auch die junge Frau liegen können. Sie war wohl sehr verlassen."

Peter Dietrich