"Leo-Gate" Krach wegen DiCaprio-Interview mit Clinton
Washington - Die Kontrahenten in diesem bereits als "Leo-gate" getauften Skandal sind das Weiße Haus, der Fernsehsender ABC und eine ganze Schar Journalisten, die sich von dem "Titanic"-Star düpiert fühlen.
Begonnen hatte alles mit einem Besuch von DiCaprio im Weißen Haus - mit offizieller Einladung als Vorsitzender des Komitees für die Feiern zum Earth Day 2000. Der Fernsehsender ABC hatte DiCaprio dabei aufgefordert, "irgendetwas" mit dem Präsidenten zu machen, und wollte dazu einen 20-minütigen Beitrag senden. Doch als sich Clinton mit dem jugendlichen Frauenschwarm während der Tour vor einer Woche auf die Veranda neben dem Oval Office an einen Tisch setzte, nahm das Unheil seinen Lauf.
Als ABC das Interview ausstrahlen wollte, kam es nach Berichten der "New York Times" in der Nachrichtenredaktion des Senders zum Aufstand der Redakteure, die es als Zumutung empfanden, dass der Hollywoodstar ein so wichtiges Interview führen durfte. Sie sahen damit eine weitere Grenze zwischen Journalismus und Unterhaltung durchbrochen. "Alle journalistischen Aufgaben müssen von Journalisten wahrgenommen werden", beruhigte ABC-Nachrichtenchef David Westin seine Redaktion per E-Mail. Doch so recht mochte ihm wohl keiner glauben.
Westin gab angesichts der andauernden Proteste nach und ließ erkennen, dass er das Interview nicht ausstrahlen werde. Er erklärte, es habe auch nie eine Anfrage für ein Interview gegeben. Leonardo sei nur zu einem Rundgang im Weißen Haus gewesen, in dessen Verlauf er mit Clinton sprechen wollte. Doch dann habe der Präsident plötzlich vorgeschlagen, sich zu einem Interview hinzusetzen.
Diese Darstellung wird wiederum vom Weißen Haus energisch bestritten. Clintons Sprecher Joe Lockhart forderte ABC am Donnerstag auf, sich zu dem Interview zu bekennen. Es sei eindeutig von dem TV- Sender erbeten worden. Lockhart war nach einem Bericht der "Washington Post" so empört, dass er den ABC-Büroleiter in Washington anrief, um eine Klarstellung zu erreichen.
Ein Sprecher des Schauspielers zeigte sich ebenfalls entrüstet. DiCaprio sei bestens vorbereitet gewesen, den Präsidenten zur globalen Erwärmung und anderen Umweltthemen zu befragen. Der Star habe sogar Karten dabei gehabt, auf denen seine Fragen standen.
Thomas Müller