Leserfundsache: Arbeitsamt retuschiert Ausländer raus - DER SPIEGEL
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Leserfundsache Arbeitsamt retuschiert Ausländer raus

Ein SPIEGEL-ONLINE-Leser stieß auf eine Anzeige, die ihn stutzig machte. Die Bundesanstalt für Arbeit hat augenscheinlich einen Ausländer aus einem Werbefoto gelöscht.
Von Holger Kulick
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Da staunte der Werbegrafiker Klaus-Jürgen Andrzejewski nicht schlecht. In einer neueren Ausgabe des Jugendmagazins "Bravo" entdeckte er auf der Rückseite des Heftes eine Anzeige der Bundesanstalt für Arbeit. Das Thema: Jobs für Jugendliche. Irgendwie kam ihm das Werbefoto bekannt vor. Es zeigte die Gesichter dreier Jugendlicher: ein blonder Junge, eine dunkelhaariges Mädchen und eine Blondine.

Tatsächlich hatte Andrzejewski das Bild schon einmal gesehen - erst kürzlich war er im Archiv des Augsbuger Bildarchivs für Werbeagenturen "mev" auf dieses Foto gestoßen. Doch in der Arbeitsamts-Anzeige wurde diese Vorlage grafisch verfremdet. Außerdem fehlte plötzlich ein Kopf auf dem Bild - ausgerechnet der eines südländisch aussehenden jungen Mannes.

Andrzejewski schickte seinen Fund empört an SPIEGEL ONLINE. Sein Kommentar: "Das versteht man nun hier zu Lande unter Integration: Im Original-Foto findet man einen 'fremdländisch-aussehenden' jungen Mitmenschen. Der wurde kurzerhand weggeschnippelt". In der Anzeige der Bundesanstalt für Arbeit finde man "nur noch unsere einheimischen Mitbürger. Sollte für unseren ausländischen Mitbürger wirklich kein Platz mehr gewesen sein?", fragte Andrzejewski, wohlwissend, dass solche Retuschier-Praxis in der Werbebranche durchaus üblich sei. Doch der Werbefachmann fand es angesichts der derzeitig angespannten Job-Situation "bezeichnend", den deutlich identifizierbaren Ausländer in der Anzeige der Bundesanstalt für Arbeit einfach wegzulassen. Harter Tobak. Wir forschten nach.

Verblüffung in Nürnberg und Wesseling

In der Zentrale der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit herrscht Erstaunen. Anzeigen würden "sehr abgewogen", denn "in die Kritik will die Bundesanstalt auf gar keinen Fall", verlautet aus der zuständigen Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit. "Wie es jedoch bei der Anzeigengestaltung zu diesen Überlegungen gekommen ist", weiß die zuständige Pressereferentin nicht zu sagen. Beantworten könne das eher die ausführende Werbeagentur in Wesseling. Dort löst die Anfrage noch mehr Erstaunen aus.

"Meine Nackenhaare haben sich gekräuselt, als ich die Frage hörte", schimpfte Firmeninhaber Helmut Gratzfeld am Telefon, "abartig" sei allein schon die Fragestellung. Ausländerfeindlich sei die Bearbeitung überhaupt nicht, schon im Bildmittelpunkt stehe schließlich eine Ausländerin. Welcher Nationalität? Das könne er nicht sagen, aber sie sehe doch so aus. Doch denkste, sagt Elke Zückert, eins der Models, das auf dem Bild zu sehen ist. Die dunkelhaarige Frau sei eine Deutsche aus ihrem Umfeld gewesen und keine Ausländerin, daran erinnert sie sich noch.

"Zwei Paare, jung" lautet die schlichte Bildbeschreibung im anliefernden Augsburger Bildarchiv. Das Foto sei etwa zehn Jahre alt, heißt es dort. Kurzum: Jugendliche dürften die darauf Abgebildeten ohnehin keine mehr sein, die noch einen Job vom Arbeitsamt brauchen.