Letzter Funkspruch: "Der Zug brennt" - DER SPIEGEL
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Letzter Funkspruch "Der Zug brennt"

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Kaprun - "Da oben ist nur noch Asche und Metall", sagt ein verzweifelter Helfer des Roten Kreuzes wenige Stunden nach der Katastrophe in Kaprun mit leerer Stimme. Etwa 600 Meter nach der Einfahrt der Gletscherbahn in den Tunnel am Kitzsteinhorn breitete sich der Schwelbrand mit rasender Geschwindigkeit aus. Der steile Tunnel habe bei dem verheerenden Feuer "wie ein Kamin gewirkt", sagt der Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger. Giftige Gase entstanden, stiegen die Röhre rasend schnell empor. Zwei Touristen und ein Mitarbeiter der Bergbahn werden selbst in der 2452 Meter hoch gelegenen Bergstation von den Dämpfen überrascht und getötet.

In der Bahn selbst muss sich eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes abgespielt haben. Kurz nach 9.00 Uhr wurde die Winteridylle rund um den österreichischen Skiort Kaprun zerstört. Voller Vorfreude auf die ersehnte Saisoneröffnung in der sonnenüberfluteten Schneelandschaft starteten rund 180 Skifans zum Gipfel. Doch schon bald kommt es in dem rund 3,2 Kilometer langen, engen Bahntunnel zum Inferno. Die Flammen werden zur Todesfalle für mindestens 155 Menschen.

"Der Zug brennt", hatte der Fahrer der Unglücksbahn per Funk noch an seine Einsatzleitung durchgeben können. Nur wenige Minuten später kommt aus dem Tunnel bereits kein Lebenszeichen mehr, Rauch quillt aus den Öffnungen. Nur acht deutsche Urlauber können sich aus dem Inferno retten: Sie schlagen geistesgegenwärtig die Fenster ein und flüchten tunnelabwärts ins Freie. Die Zurückgebliebenen ersticken und verbrennen qualvoll. "Es ist nur noch das Fahrgestell der Bahn übrig geblieben", schildert der Landeshauptmann die Katastrophe.

Unten im beschaulichen Dorf Kaprun herrscht Betroffenheit. "Das ist fürchterlich", sagt eine junge Niederländerin, die mit einer Freundin einige Tage Urlaub macht. "Es war ein so schöner Tag." Auch ein Ehepaar aus der Nähe von Stuttgart ist schockiert. "Das muss ein fürchterlicher Tod gewesen sein", sagt der 57-Jährige. Doch auf ihren Urlaubstraum will das Paar nicht verzichten. "Wir haben bis Dienstag gebucht, wenn wir abreisen, bringt das die Menschen auch nicht wieder zurück."

Auf den ersten Blick geht das Leben in Kaprun nur wenige Stunden nach dem furchtbaren Brand seinen normalen Gang. Touristen aus aller Welt sitzen in der strahlenden Mittagssonne, im Après-Ski-Treffpunkt "Pavillon" klirren Biergläser, es wird gefeiert und gelacht. Und auf manche Urlauber scheint das grausige Geschehen sogar anregend zu wirken: Vereinzelt sind Touristen zu sehen, die das hektische Treiben der Einsatzkräfte auf Video bannen. Knappe Erklärung eines Amateurfilmers: "Das ist doch auch spannend."

Von Michael Fox und Michael Friedrich, dpa