Adoption geglückt Madonna startet Kuscheloffensive
London - Schnell kursierten Fotos im Internet, die das Mädchen 48 Stunden nach seiner Ankunft in den Straßen von London zeigten. In den Armen eines Kindermädchens hatten Paparazzi die kleine Mercy vor dem Haus der Sängerin im Stadtteil Marylebone gesichtet. Angeblich soll sie zunächst ihre Geschwister Rocco, 8, und den ebenfalls adoptierten David Banda, 3, kennengelernt haben.
Um sich voll auf den Neuankömmling konzentrieren zu können, hat Madonna der "Sun" zufolge die beiden Jungen übers Wochenende zu ihrem Vater Guy Ritchie geschickt. Sie wolle Mercy für eine Weile von der Welt abschirmen und nach allen Regeln der Kunst "cocoonen", sich für eine Weile einigeln und Körperkontakt pflegen.
Ein Freund der Familie sagte der "Sun": "Madonna hatte gehofft, alle Kinder in den kommenden Tagen zusammenzubringen, aber David konnte seine Aufregung nicht zügeln und ist die ganze Zeit wie ein durchgegangenes Pferd durch die Wohnung gelaufen."
"Ich will meine Schwester sehen", habe der Junge gerufen und sich ständig an die kleine Mercy gehängt. Letztlich sei es vernünftiger gewesen, ihn mit Rocco zum Vater zu bringen.
Zu Tränen gerührt
Madonna sei zu Tränen gerührt gewesen, als die kleine Mercy sie bei ihrem Treffen mit "Moni, Moni, Mummy" begrüßt habe. Jetzt soll das Kind sich zunächst an das Haus in London gewöhnen, bevor es mit seiner neuen Mutter nach New York weiterreist. Am Samstag hatte die 50-Jährige das Mädchen mit einem Privatjet aus Malawi abgeholt, nachdem die Behörden endlich die Erlaubnis für die Adoption erteilt hatten. An Bord waren der Ex-Mann und die Kinder, einschließlich der inzwischen zwölfjährigen Tochter Lourdes.
"Madonna hat jahrelang auf diesen Moment gewartet", sagte die Quelle der "Sun". Dennoch sei die Sängerin fest entschlossen, das Kind nicht mit übertriebener Aufmerksamkeit und zu vielen Aktivitäten zu überfordern.
In Sachen geistlicher Beistand hat die Sängerin nicht lange gezögert und den Familienzuwachs umgehend mit auf eine Kabbala-Zeremonie genommen. Sehr viel Zeit zum Kennenlernen bleibt gleichwohl nicht. Bereits am 4. Juli startet die "Sticky and Sweet"-Welttournee der Künstlerin - dann wird "Moni" für eine Weile sehr beschäftigt sein.
Die Diskussion um die Adoption der kleinen Mercy hatte weltweit die Debatte um den richtigen Umgang mit Waisen aus Entwicklungsländern angeheizt. Bei vielen Menschen in Malawi allerdings stößt die Kritik an Madonnas Engagement auf Unverständnis: Angesichts der Untätigkeit der eigenen Regierung sind sie froh, dass sich überhaupt jemand um das Schicksal der Waisenkinder im Land kümmert.
"Sehr lieb von ihr"
"Man hat mir gesagt, sie sei eine nette Frau, die unseren Kindern helfen will", sagt die 39-jährige Eliza Manyoza, die ihr neun Monate altes Baby auf dem Rücken trägt: "Das ist doch eine tolle Nachricht und sehr lieb von ihr." Die Bananenverkäuferin aus einem Elendsviertel der ehemaligen britischen Kolonialstadt Zomba kennt zwar kein einziges Lied der 50-jährigen Popdiva. Dafür weiß sie, dass Madonna mit ihrer Stiftung "Raising Malawi" und ihrer Tagespflegeeinrichtung "Consol Home" Tausenden Waisen im Land hilft.
Dass Madonna Mercy und den ebenfalls aus Malawi stammenden kleinen David Banda adoptierte, ist für die mehrfache Mutter kein Problem: "Das zeigt doch nur, dass sie erkannt hat, dass wir ein großes Problem haben - und sich darum kümmert." Allerdings: "Wie viele Kinder kann sie zu sich nehmen? Wo sind unsere Reichen? Wo ist unsere Regierung? Madonna alleine schafft das nicht."
Das südostafrikanische Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, mehr als die Hälfte der zwölf Millionen Bewohner leben von weniger als einem Dollar am Tag. Über 500.000 Kinder haben durch Aids mindestens ein Elternteil verloren. Um sie kümmern sich ausschließlich mit privaten Spenden finanzierte Waisenhäuser - von der Regierung gab es dafür bislang kein Geld. "Wir sind an einem kritischen Punkt", gesteht der Vertreter des Ministeriums zur Förderung von Frauen und Kindern, Cyrus Jeke: "Aber Malawi hat nicht die Mittel, das Problem zu lösen."
Hilfsorganisationen im Land widersprechen Jeke. "Es ist die oberste Pflicht des Staats, für seine verwaisten Kinder zu sorgen", sagt Undule Mwakasungura vom Konsultativkomitee für Menschenrechte, einem Netzwerk von 85 Gruppen, die Madonnas Adoptionen heftig kritisieren. Statt das Schicksal der Waisen vom "guten Willen und den Launen von Stars" abhängig zu machen, könne die Regierung einen Teil ihrer Steuereinnahmen für die Waisenfürsorge einsetzen, fordert der Chef des Komitees.
Auch Boniface Mandere von der Kinderrechtsbewegung "Auge des Kindes" ist überzeugt, dass Malawi die Mittel zur Selbsthilfe hätte. "Uns fehlt nur das Wissen, wie wir unsere Ressourcen richtig einsetzen. Es ist alles eine Frage des Wollens."