Alec Baldwins Rückzug aus Öffentlichkeit - DER SPIEGEL
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Abschied: Alec Baldwin entsagt der Welt

Foto: Carlo Allegri / REUTERS

Alec Baldwins Rückzug "Ich hasse und verachte die Medien"

In epischer Breite hat sich US-Schauspieler Alec Baldwin aus dem öffentlichen Leben verabschiedet. CNN-Moderator Anderson Cooper "und andere aus dem schwulen Justizministerium" hätten ihn zum Homophoben abgestempelt. Jetzt sei es Zeit zu gehen. Ob er hält, was er verspricht?
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New York - Er hätte sich auch kurz fassen können: "Hab' keinen Bock mehr, ihr nervt mich, bin dann mal weg", oder so ähnlich. Doch Alec Baldwin holte ganz weit aus, um die Welt wissen zu lassen, dass er die Nase voll hat vom Leben im Scheinwerferlicht. Mehr als 28.000 Zeichen brauchte er, um in einem Artikel für das "New York Magazine"  sein Innerstes nach außen zu kehren.

"Dies ist das letzte Mal, das ich über mein Privatleben in einem amerikanischen Medium spreche", verspricht der 55-Jährige in dem Riemen mit der Überschrift "Auf Wiedersehen, öffentliches Leben". Er werde in Zukunft einfach einen Film drehen "und dafür alles geben, aber wenn wir ihn abgedreht haben, gehört die restliche Zeit mir allein".

Der alles verändernde Moment sei gewesen, als man ihm im November vorgeworfen habe, einen Reporter schwulenfeindlich beschimpft zu haben. "Bigotte" Zeitgenossen wie der britische Blogger Andrew Sullivan, CNN-Moderator Anderson Cooper, "und andere aus dem schwulen Justizministerium" hätten ihn zum Homophoben abgestempelt, schreibt er.

Die Anschuldigungen seien falsch, betont Baldwin zum wiederholten Male. An seine genauen Worte während des Vorfalls erinnert er sich allerdings nicht. "Wenn ich eine aufgeregte Auseinandersetzung mit diesen Leuten habe, zücke ich keinen Stift und schreibe mir auf, was ich gesagt habe."

Früher war alles süß und einfach

Alec Baldwin und die Boulevardpresse stehen seit Jahren miteinander auf Kriegsfuß. Vor dem New Yorker Apartment des Schauspielers kam es regelmäßig zu Konfrontationen mit Fotografen. Die jüngste Diskussion in den Medien habe ihm gezeigt, dass er genug von dem Leben habe, das er 30 Jahre geführt habe. "Ich hätte einige Dinge anders machen können. Ich weiß das. Wenn ich jemanden beleidigt habe, dann entschuldige ich mich dafür." Infolge der Homophobie-Vorwürfe war die Show "Up late with Alec Baldwin" auf dem Sender MSNBC eingestellt worden. Dass er dies nicht verwunden hat, zeigen die garstigen Kommentare Baldwins zu den Programmmachern des Senders.

Verbissen leuchtet der 55-Jährige jedes Detail der Geschichte aus seiner Perspektive aus, erzählt, wer wann wo was angeblich gesagt hat. Er referiert Probleme mit schwierigen Kollegen am Set, lästert über unfähige TV-Macher und die fiesen Lügen der Medienleute. Baldwin suhlt sich geradezu in dem Gefühl, missverstanden zu werden. Dass er all das demnächst für sich behalten will, ist schwer zu glauben.

"Heute hasse und verachte ich die Medien auf eine Art, wie ich es mir nie hätte vorstellen können", tönt er. Früher seien Restaurantbesitzer zu ihm gekommen und hätten gefragt, ob sie ein Foto von ihm machen und dann an die Wand hängen dürften. "Süß und einfach", sei das gewesen. Heute habe jeder eine Kamera in seiner Jackentasche. "Die Fotografen halten ihr Objektiv direkt in mein Gesicht, in das meiner Frau, meines Babys. Sie hetzen dich."

Baldwin ist politisch engagiert und hatte zwischenzeitlich Ambitionen auf den Gouverneursposten in New York. Ab 2005 schrieb er für die "Huffington Post". Aber auch von der hat er offenbar die Nase voll: "Wenn die 'Huffington Post' morgen eingestellt würde, welchen Unterschied würde es machen?" Liberale und konservative Medien seien inzwischen vollkommen austauschbar. "Dies ist das letzte Mal, dass ich in einer US-Publikation über mein Leben spreche." Es gibt mit Sicherheit Leute, die sich darüber sehr freuen.

ala

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