Ann-Kathrin Kramer: Die hohe Kunst des Patchworking - DER SPIEGEL
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Ann-Kathrin Kramer Die hohe Kunst des Patchworking

Millionen Deutsche leben in Patchwork-Familien - und erleben täglich Freuden, aber auch Risiken und Nebenwirkungen dieses sozialen Konstrukts. Die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer hat nun in einem Interview unter anderem über die Utopie des Patchworking gesprochen - und die Wirklichkeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Den Schauspielern Ann-Kathrin Kramer und Jan Josef Liefers erging es wie Millionen anderer Paare auf der Welt: Sie liebten sich, trennten sich - und teilen sich seither die Verantwortung für ein gemeinsames Kind.

Sie könnten nun das versuchen, was immer mehr Paare in Deutschland auch versuchen: Das Leben einer Patchworkfamilie zu leben. Doch Kramer ist skeptisch. Sie steht noch im Kontakt zu ihrem früheren Lebensgefährten Jan Josef Liefers, dem Vater ihres zwölf Jahre alten Sohnes Leo - als Patchworkfamilie definieren sich das Ex-Paar und die neuen Lebenspartner trotzdem nicht.

Dem Patchwork-Modell steht die 43-Jährige ohnehin kritisch gegenüber. "Wenn man ehrlich ist, geht das auf Dauer meistens nicht gut, weil wir doch alle unsere alten Geschichten haben, die dann da mit reinspielen und die Kinder eher belasten würden", so Kramer gegenüber der Illustrierten "Bunte".

Kramer lebt seit zehn Jahren mit ihrem Kollegen Harald Krassnitzer zusammen. "Wir sind keine Patchworkfamilie, wir sind Vater, Mutter, Kind und fühlen uns als ganz normale Familie", sagte sie.

Ihr früherer Lebensgefährte Liefers ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Anna Loos verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder sowie ein weiteres Kind aus seiner ersten Ehe.

Man könne künstlich "ein Bedürfnis nach mehr Nähe schaffen", meinte Kramer. Aber es funktioniere meistens nicht, wenn man sage: "Wir sind wahnsinnig liberale, lustige Menschen und leben das, was gerade hip ist, nämlich dieses supergut funktionierende Modell einer großen Patchworkfamilie, wo wir alle zusammen in einem Ferienhaus sitzen und uns ganz doll lieb haben."

Gerade wenn ein Kind da sei, müsse man in der Liebe auch Verantwortung übernehmen, meinte Krassnitzer. "Die Kunst ist doch, zusammenzubleiben, auch wenn man den Partner gerade entsetzlich blöd findet", sagte der 48-Jährige. "Erst dann zeigt sich, wie sehr man sich liebt."

Auf ihrer Homepage schreibt Kramer über ihren Sohn, ihre Brüder und über ihre "Eltern, die sich immer noch lieben".

jjc/AP