Anthony Hopkins: Gentleman und Serienkiller
Anthony Hopkins Doofi mit Ambitionen
London - Britische Schauspieler sind Snobs. Wer keiner ist, tut wenigstens so. Diesen Eindruck - dass er ein Snob sei - musste man bislang auch von Sir Anthony Hopkins gewinnen. Der walisische Edel-Mime, 1993 von der Queen zum Ritter geschlagen, gilt als Außenseiter und Einzelgänger, gibt sich in Interviews gern blasiert und machte nie einen Hehl daraus, dass er von der eigenen Zunft nicht sonderlich viel hält.
Das bekräftigt der 71-Jährige, der für seine Darstellung des Kannibalen Hannibal Lector in "Das Schweigen der Lämmer" einen "Oscar" erhielt, jetzt nochmals in einem Interview mit dem Magazin "Empire". Allerdings zeigt er sich da auch von sympathisch-menschlicher Seite.
Hopkins, der seine Karriere auf Londons Bühnen begann, sich nach ersten Erfolgen im Filmgeschäft aber bald auf Hollywood festlegte, verriet nun, weshalb er Großbritannien den Rücken gekehrt hat - London sei schlicht "saulangweilig" gewesen.
Er habe nie das Gefühl gehabt, zur britischen Schauspielergemeinschaft dazuzugehören, weil diese "extrem sonderbar" gewesen sei. "Ich war ein Außenseiter, ich hatte nie Freunde, die Schauspieler waren", sagte Hopkins. Er habe mit einigen großartigen Menschen zusammengearbeitet, beispielsweise mit Judy Dench, wollte aber trotzdem mit seinen Kollegen nichts zu tun haben.
Das "Schätzchen"-Getue in der Theaterszene sei nicht sein Fall gewesen. "Darum bin ich in die USA gezogen und habe gemacht, was ich immer wollte: Filme", so der Star. Im Frühjahr 2000 nahm Hopkins auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an, behielt aber seinen britischen Pass.
"Ich war eine richtige Dumpfbacke"
Dass er überhaupt Schauspieler geworden ist, verdankt Hopkins nach eigenen Angaben seinem walisischen Landsmann Richard Burton, einem Charakterdarsteller, der im Hollywood der sechziger Jahre zum Sexsymbol geworden war.
Als Junge war Hopkins alles andere als zielstrebig, wie er dem Magazin sagte: "Ich war eine richtige Dumpfbacke." Er habe auf der weiterführenden Schule nicht gewusst, was er eigentlich tun wolle. Er sei kein guter Sportler gewesen, habe nicht singen können, sei ein "Doofi" gewesen. Er habe nur gewusst, dass er berühmt werden wolle.
Dann sei eines Tages der damals bereits erfolgreiche Burton in die Stadt gekommen, und der 15-jährige Hopkins bat den Star um ein Autogramm. Kurz darauf sei er mit seinem Vater die Straße entlanggegangen. "Da fuhr Burton in seinem dunkelgrünen Jaguar vorbei, die Fenster runtergekurbelt, seine Frau neben ihm, eine Zigarette rauchend. Da dachte ich: Das möchte ich auch erreichen. Ich muss aus meiner eigenen Unproduktivität raus."
Zwei Jahre später bekam Hopkins ein Stipendium für ein Musik- und Schauspielstudium an einem College in Cardiff, von 1961 bis 1963 folgte ein Studium an der Royal Academy of Dramatic Arts in London, das er als Silbermedaillenträger abschloss.