Abschied von TV-Sendung: Salesch zersägt Richtertisch
Salesch zersägt Richtertisch Leider geil
Hamburg - Fast 13 Jahre auf Sendung, 2356 Folgen, mehr als 17.000 beteiligte Laiendarsteller - das ist die Bilanz von "Richterin Barbara Salesch". Die letzte Folge wird an diesem Freitag ausgestrahlt (15 Uhr, Sat1). Salesch, 61, hat auf ihre ganz eigene Weise Abschied von der Sendung genommen: Nach der letzten Aufzeichnung zersägte sie ihren Richtertisch.
Seither widmet sich Salesch nur noch der Kunst, sie betreibt eine Galerie und studiert Farbmalerei an der Kunstakademie Bad Reichenhall.
Wie ambivalent ihre Sendung wahrgenommen wurde, haben die Musiker von Deichkind vielleicht am besten zusammengefasst. In ihrem Lied "Leider Geil" geht es um Dinge, die, nun ja, leider geil sind. Dazu gehören zum Beispiel: Schöne neue Schuhe, die tragischerweise leider von Kinderhänden genäht wurden. Oder eben jene TV-Show, die zur Keimzelle für Laiendarsteller und Scripted-Reality-Formate wurde und bei der Millionen Zuschauer am Nachmittag dennoch nicht abschalten wollten.
SPIEGEL ONLINE: Frau Salesch, die Hamburger Band Deichkind hat Ihnen ein kleines musikalisches Denkmal gesetzt. Haben Sie das mitbekommen?
Salesch (lacht): Ich habe davon gehört. Ich kannte Deichkind vorher nicht, aber Freunde von mir haben gesagt: Jetzt bist du auch noch in der Musik. Ich weiß nicht mehr genau, was es war, "genial daneben" oder so.
SPIEGEL ONLINE: Das Lied heißt "Leider Geil". Der Part über Ihre Sendung geht so: "Ich schaue gerne viel, ich schaue gerne lang, kennen Sie Barbara Salesch? Leider geil."
Salesch (lacht immer noch): Gehört habe ich es noch nicht, es wurde mir nur berichtet. Aber irgendeinen anderen Song von Deichkind habe ich neulich mit meiner Nichte im Radio gehört. Da wusste ich wenigstens in etwa, was für eine Musik das ist.
SPIEGEL ONLINE: Hat es Ihnen gefallen?
Salesch: Das kann ich so nicht sagen, es ist nicht meine Musik. Aber das ist ja egal.
SPIEGEL ONLINE: Schon bald werden keine neuen Folgen Ihrer Sendung mehr zu sehen sein. Nach der letzten Aufzeichnung haben Sie Ihren Richtertisch zersägt. Wie kam es dazu?
Salesch: Das war ein richtig gut zelebriertes Ende, wie ein kleines Happening. Ich habe nur meinen Herstellungsleiter gefragt, ob hinterher in dem Saal noch etwas gedreht werden muss. Er sagte: nein. Und ich: Joa, dann können wir ihn doch ein bisschen auseinandernehmen.
SPIEGEL ONLINE: Und wie lief das dann ab?
Salesch: Ich hatte eine Riesenkiste mit einer Säge, einem Beil, und was man halt so alles braucht. Sicherheitshalber habe ich den Verbandskasten aus meinem Auto noch dazugelegt. Ich habe mir ein richtig schönes Stück aus meinem Tresen herausgesägt, das hat unheimlich Spaß gemacht. Dann wollte jeder etwas haben, auch aus dem Tisch der Staatsanwaltschaft oder ein Stück Balustrade. Ich habe aber gesagt: Sägt ihr mal gefälligst selber. Es wurde dann noch eine ungeplante Autogrammstunde, weil jeder sein Stück signiert haben wollte.
SPIEGEL ONLINE: Und wo ist jetzt Ihr Stück Richtertisch geblieben?
Salesch: Das liegt im Atelier rum. Da muss ich irgendwann noch etwas mit machen.
SPIEGEL ONLINE: Seit Ihrem Ausstieg aus dem TV-Geschäft widmen Sie sich nur noch der Kunst. Wie ist es Ihnen ergangen?
Salesch: Es geht mir ausgezeichnet. Ich habe seitdem einen entspannteren Gesichtsausdruck - das sagen jedenfalls andere. Neben den Fernsehen parallel künstlerisch zu arbeiten, war eine unendliche Anstrengung. Jetzt ist der Druck weg, beides verbinden zu müssen. Das finde ich sehr angenehm. Meine Lehrer an der Uni haben großen Spaß an mir und ich an ihnen.
SPIEGEL ONLINE: Woran arbeiten Sie gerade?
Salesch: Ich fange mit den Vorbereitungen für die Holzschnitte für das kommende Jahr an. Da muss ich jetzt nicht hetzen, das ist einfach super. So sehr ich Jura schätze - es war eine Zeit meines Lebens, und die ist jetzt zu Ende.