Bastian Pastewka: "Ich war ein sehr guter Spinat!" - DER SPIEGEL
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Bastian Pastewka "Ich war ein sehr guter Spinat!"

Das wird wieder ein urgemütliches Weihnachten für Bastian Pastewka. Er liebt Neonröhren und Lametta, hasst Gäste und Stress. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der Comedian zudem über seltsame Karriere-Entscheidungen, Wohn-Autismus und die Wonne, Christoph Maria Herbst zu küssen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr Pastewka, wie küsst der Deutschen liebstes TV-Ekel Christoph Maria Herbst alias "Stromberg"? In der TV-Komödie "Zwei Weihnachtsmänner" hängen Sie ja sehr eindrucksvoll Lippe an Lippe.

Pastewka: Es war kurz und natürlich wunderschön, aber weitere erotische Abenteuer blieben aus. Wir waren beide ehrlich gesagt sehr froh, dass die Szene schon beim ersten Mal im Kasten war.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen einen Vertreter, der sich aufreibt, um bloß rechtzeitig zum Weihnachtsfest zu Hause zu sein. Ist Ihnen das Fest persönlich auch so wichtig?

Pastewka: Übermäßige Nervenaufreiberei mag ich schon das restliche Jahr nicht und deshalb lasse ich mich auch an Weihnachten nicht stressen - weder beim Shoppen oder Parkplatzsuchen noch am 24. unterm Baum selbst. Ich feiere das Fest des Herrn auch gerne. Wir sind mit der Familie eine ganz beschauliche Runde und genießen die Zeit miteinander. Am Morgen nach Heiligabend ziehe ich mir meine bunte Wollstrickweste an, lege mich mit meinen Geschenken vor den DVD-Player und lasse mich nur ungern stören.

SPIEGEL ONLINE: Sie gelten als rettungsloser Fernsehjunkie. Bleibt die Glotze wenigstens am Heiligabend aus?

Pastewka: Ganz bestimmt, aber der Festplattenrecorder zeichnet alles auf, was ich Familienfest-bedingt verpasse. Nur am 25. schauen wir traditionell den Loriot-Klassiker "Weihnachten bei Hoppenstedts". Und ich freue mich schon jetzt auf meinen Lieblingssatz: "Früher war mehr Lametta!"

SPIEGEL ONLINE: Der Festplattenrecorder soll bei Ihnen unentwegt laufen, pro Woche sollen Sie unfassbarer Weise mehr als 50 Sendungen aufzeichnen.

Pastewka: Das ist nur eine Legende. Aber ich gebe zu: Er läuft oft. Zwischen den Jahren versuche ich einiges, was sich gesammelt hat, abzuarbeiten, aber manch hübsche Sendung stapelt sich schon seit drei Jahren im Regal und wartet vergeblich darauf, angesehen zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Man sagt Ihnen nach, kein geselliger Mensch zu sein. Einer, der in einer karg eingerichteten "Nullwohnung" haust. Bedeutet das, Sie feiern unter der Neonröhre im kahlen Wohnzimmer?

Pastewka: Ja, mit Pappgeschirr und Servietten, auf denen steht "Für den kleinen Heimwerker". Ganz so schlimm ist es nicht, aber es ist was dran: Früher, als ich noch mehr unterwegs war als heute, habe ich mich nicht genug um mein Zuhause gekümmert, sondern meine Wohnung als besseres Hotelzimmer angesehen. Koffer rein, Umziehen, Briefkasten leeren, wieder weg. Mittlerweile hat sich das geändert. Es blieb der ausgeprägte Gastgeberkomplex. Ich kann das einfach nicht gut, dieses "Kommt rein, was wollt ihr trinken?"

SPIEGEL ONLINE: Eigentlich ganz praktisch, da Sie ohnehin ein Workaholic sind.

Pastewka: Für mich ist es letztendlich ein Segen, dass ich für meinen Beruf brenne. Wenn ich arbeite, tut mir nichts weh. Im Gegenteil: Dann bin ich hochkonzentriert, nehme spielend ein paar Pfunde ab, fühle mich wohl und erledige am Ende eines harten Drehtages sogar noch meine Steuererklärung.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn Sie nicht arbeiten?

Pastewka: Dann lege ich mich faul in einer Ecke ab, gehe jeden Abend essen und tanke aus Gedankenlosigkeit Diesel statt Benzin.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Comedy-Format "Fröhliche Weihnachten" ziehen Sie und Anke Engelke den schlimmsten Nonsens der deutschen Fernsehlandschaft durch den Kakao. Sie selbst brillieren beispielsweise als RTL-Schuldenberater Peter Zwegat oder Tine Wittler. Was muss jemand haben, damit er sich leicht parodieren lässt?

Pastewka: Zwegat war ein sehr dankbarer Kandidat. Ich bin kein guter Parodist, aber Zwegats Gesten, Pausen und Blicke fielen mir sehr leicht. Tine Wittler dagegen ist eigentlich gar nicht parodierbar; und sie ist weiblich, was mir den Zugang ohnehin unmöglich macht. Wer genau hinsieht, erkennt die Charge, die ich dort ablieferte: Ich habe lediglich meine Stimme verstellt und ein fliederfarbenes Zirkuszelt angezogen.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihnen heute auch manche Ihrer Nummern peinlich?

Pastewka: Ich mache sicher hin und wieder massive Fehler, aber ich habe nichts gedreht, was mir abgrundtief peinlich sein sollte. Der ein oder andere Talkshowauftritt ist vielleicht nicht ganz gelungen, und ich war immer ein miserabler Promi-Quizshow-Kandidat, aber schämen muss ich mich meiner Ansicht nach nicht.

SPIEGEL ONLINE: Auch nicht für Ihren Karrierestart, als Sie einen Spinat spielten?

Pastewka: Auf keinen Fall! Ich war ein sehr guter Spinat! Ich hatte 1994 für eine Kinder-Radio-Sendung des WDR einen Kommentar gesprochen, in dem es um Spinat ging. Und als der ein halbes Jahr später verfilmt werden sollte, wurde mir die Titelrolle angeboten: ein lustiges grünes Ding, das halb aus der Erde guckte. Ich war jung und brauchte kein Geld.

SPIEGEL ONLINE: Was sind Ihre Wünsche für 2009?

Pastewka: Für das neue Jahr wünsche ich mir neben Gesundheit, Frieden und einem gelungenen neuen "Star Trek"-Film, dass wir die Finanzkrise erhobenen Hauptes erdulden können und sich unsere Regierung frühzeitig entscheidet, ob sie in diesen harten Zeiten nun Wahlkampf machen oder einen Staat führen will. Und ansonsten muss ich gestehen: Mir geht es gut.

Das Interview führte Julia Jüttner

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