Becker-Hochzeit Ein bisschen Bumbum in den Bergen
St. Moritz - Vor dem Segantini Museum in St. Moritz buhten die anwesenden Fotografen und riefen "pfui". Zum ersten Akt der Hochzeitsfestspiele Becker-Kerssenberg war das illustre Paar gerade zur standesamtlichen Trauung vorgefahren, als die Stimmung ungemütlich wurde.
Die Brautleute (er in dunklem Nadelstreifen-, sie im cremefarbenen Hosenzug) versuchten sich mit aufgespannten Regenschirmen vor den Paparazzi zu schützen - schließlich wurden die Bilderrechte der "Promihochzeit des Jahres" exklusiv an einen TV-Sender verkauft. Angesichts der Unmutsäußerungen klappte man die Regenschirme jedoch flugs wieder zusammen.
Die Show konnte weitergehen.
Der Höhepunkt folgte am Abend - die kirchliche Trauung, in der mehr als 1800 Meter hoch gelegenen Bergkapelle Regina Pacis. Kerssenberg trat in einem weißen Kleid "in Muscheloptik" vor den Altar. Ein Gospelchor sang dazu: "What A Wonderful World" und "Oh Happy Day".
Boris Becker hat dieser Tage nicht mehr viel zu sagen - außer "Ja, ich will". Der Ruhm des rotblonden Tennisrecken, der Mitte der achtziger Jahre als unbekümmertes Bumbum-Bürschchen zum Idol der Generation Golf wurde, ist Geschichte. Seit langer Zeit ist Boris, der Held, nur noch eine Figur - ein Mann, der berühmt ist, weil er mal sehr berühmt war.
Mag auch der Nimbus dahin sein - zum Glück führt Becker ein Privatleben. Das öffentliche Interesse daran war seit der Londoner Samenraubzeit schon drastisch abgeebbt. Doch es stieg sprunghaft, als Becker - eigentlich auf den dunkelhäutigen Frauentyp gebucht - vergangenen Sommer seine Verlobung mit der blonden Sandy Meyer-Wölden bekannt gab. Bald darauf trennte er sich von ihr, kehrte zu seiner Ex-Freundin Kerssenberg zurück und machte der in einer TV-Show einen Heiratsantrag. Durch einen brennenden Reifen sprang er bei der Gelegenheit auch.
Dieses exhibitionistische Dramolett wird nun mit dem Trauungsmarathon zu St. Moritz gekrönt. Ganz so romantisch, wie Regenbogenblätter es einen glauben machen wollen, ging es dabei jedoch nicht zu.
Die Braut gab recht hemdsärmelig im "Bild"-Interview preis, sie wolle der Nervosität vor dem Jawort mit einem Wodka abhelfen, der Bräutigam beteuerte allerseits, wie lässig er die Angelegenheit sehe.
Erste Tränen schon im Auto
Den Medienpartnern blieb am Hochzeitstag die Erstverkündung der näheren Beckerschen Befindlichkeiten vorbehalten. RTL übermittelte, dass die Braut bereits vor der Trauung weinte ("Ich habe schon im Auto angefangen", so Kerssenberg zu einer Reporterin), und dass sie das standesamtliche Ehegelöbnis auf Niederländisch abgab ("Ja, ik wil"). Auch Becker wurden demnach die Augen feucht, weil die Standesbeamtin gar zu ergreifend ("unglaublich emotional") zur Hochzeitsgesellschaft sprach. Die exklusiven Informationen reißen nicht ab: Die Trauzeugen saßen auf blauen Stühlen. Und: Dieter Bohlens Ex-Freundin Estefania Küster ist eine der Brautjungfern.
Die Printrechte ergatterte das "OK!"-Magazin für eine unbekannte Summe und hatte immerhin folgendes beizusteuern: "Lilly sorgte für ein paar Lacher, als sie in die Runde fragte: Muss ich jetzt mit Becker unterschreiben?"
So exklusiv ist der Mediendeal, dass selbst auf Beckers Internetseite "Boris Becker TV" keine aktuellen Bilder von der "Promi-Hochzeit des Jahres" ("Bild") zu sehen waren. Dort liefen am Freitagnachmittag, Stunden nach der standesamtlichen Trauung, öde Archivfilmchen. Eine Sprecherin leiert aus dem Off Plattitüden ("Ganz St. Moritz freut sich auf die Ankunft des Brautpaares", "Alle fiebern dem Ereignis mit Spannung entgegen"), dazu wird gezeigt, wie Becker und Kerssenberg aus einem Privatjet steigen und von ein paar Gestalten in Empfang genommen werden.
Gut, dass RTL das Treiben des Brautpaares auf Schritt und Tritt verfolgt - und mit exklusiven Informationen aufwartet. Zum Beispiel, wo die künftige Frau Becker die Nacht vor der Hochzeit verbrachte - nämlich im Bett, bei ihrer Großmutter. Spannend.