Beckers Jawort Das Kurzzeit-Modell
St. Moritz - Tennismomente sind wie Hundejahre - sie zählen siebenfach, mindestens. Sagenhafte sechs Stunden dauerte 1987 eine Daviscup-Begegnung zwischen Boris Becker und John McEnroe - für Freunde dieses Sports ein Spiel, das Augenblicke zu Ewigkeiten dehnte.
Wesentlich kürzer dürfte die nunmehr geschlossene zweite Ehe Beckers halten.
Der Meinung war zumindest die Mehrheit von tausend Befragten bei einer von der Zeitschrift "Das Neue" durchgeführten Erhebung: Nur sechs Prozent gehen demnach davon aus, dass die Verbindung hält, 42 Prozent erwarten, dass das Paar höchstens zwei Jahre zusammenbleibt. Immerhin - die durchschnittliche Dauer eines Tennismatches wäre damit deutlich überschritten.
Als gutes Omen sollte man vielleicht die meteorologischen Rahmenbedingungen bei der Trauung des 41-Jährigen mit Sharlely "Lilly" Kerssenberg, 32, werten: Bei strahlendem Sonnenschein und mit Blick auf die Alpenkulisse samt St. Moritzersee gab sich das Paar im Kuppelsaal des Segantini-Museums das standesamtliche Jawort.
Die Braut trug einen weißen Hosenanzug und einen Brautstrauß aus weißen Rosen. Becker, der sich im dunkelgrauen Nadelstreifenanzug zeigte, fuhr sie in einer weißen, mit Blumen geschmückten Maybach-Limousine vor. Als Sicherheitsleute das Brautpaar zunächst mit großen Regenschirmen vor neugierigen Blicken schützen wollten, ertönten laute Buh-Rufe.
Becker und Kerssenberg ließen sich erweichen: Die Regenschirme wurden geschlossen und das Paar winkte und strahlte den wartenden Reportern sogar zu.
Pessimisten mögen dennoch der Meinung sein, die ganze Veranstaltung entbehre der wahrhaften Romantik und mute mehr als Geschäftsdeal an: Die Exklusivrechte an der Hochzeit hat Becker unter anderem an RTL und die "Bild"-Zeitung verkauft.