Berlusconi rettet Osterlämmer - DER SPIEGEL
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Ex-Premier lammfromm Berlusconi beim Schäferstündchen gefilmt

Er ist wieder da. Und er ist ein besserer Mensch geworden. Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi ist unter die Schäfchenkuschler gegangen - und fordert ein Ende des brutalen Osterschlachtens.
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Lässig, wie der Mann da im Schneidersitz auf dem Rasen sitzt. In der rechten Hand hält er ein Milchfläschchen, im linken Arm ein schneeweißes Lämmchen. Im Hintergrund läuft dräuende Klaviermusik, im Untertitel des Videos liest der Betrachter eine dringende Empfehlung einer italienischen Tier- und Umweltschutzorganisation: "Macht es wie er! Er hat fünf Lämmchen vor dem Gemetzel des Osteressens gerettet!"

Der Schafkuschler auf dem Rasen ist "der Präsident Berlusconi". Also vielmehr der vierfache Ex-Premier Italiens, der milliardenschwere Medienunternehmer und wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilte Bunga-Bunga-Experte Silvio Berlusconi. Der Cavaliere, von politischen Gegnern auch "der Kaiman" genannt, ist offenbar unter die Vegetarier gegangen.

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Insgesamt fünf Lämmchen soll Berlusconi adoptiert haben, "sie hätten sonst ein sehr schlechtes Ende gefunden", freut sich Michela Vittoria Brambilla, die Vorsitzende der "Lega Italiana per la Difesa degli Animali e dell'Ambiente". Entsprechend lautet das Motto der Organisation: "Zu Ostern, entscheide dich für das Leben."

"Wird das Osterfest jetzt vegetarisch?" fragte der "Corriere della Sera" und berichtete, die Festtagsbratenbestellungen seien bereits um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen. "Der Berlusconi-Effekt ist spürbar", sagte Donatella Prampolini, Vorsitzende des italienischen Verbands der Lebensmitteleinzelhändler, dem Blatt.

Geschätzt 800.000 Lämmer landeten noch im Jahr 2010 zu Ostern auf den Tellern der Italiener. Inzwischen ist der Konsum auf etwa 500.000 zurückgegangen. Der italienische Fleischverband Assocarni erklärte, es sei "unglaublich", dass ausgerechnet der Unternehmer Berlusconi dazu beitrage, der Fleischindustrie zu schaden, um sich an tierfreundliche Wähler heranzuwerfen. "Für eine Handvoll Wählerstimmen spuckt man in den Teller, von dem man isst." Die rechtsextreme Partei Lega Nord bemängelte, dass Berlusconi mit einer "pseudo-veganen Kampagne" einer so wichtigen Branche Schaden zufüge.

Im vergangenen Jahr hatten einige Zeitungen berichtet, Berlusconi sei unter die Vegetarier gegangen. Er selbst erklärte, er habe sich zu diesem Thema "weder privat noch öffentlich" je geäußert. Berlusconi ist 80 Jahre alt und trägt seit zehn Jahren einen Herzschrittmacher. Im Juni vergangenen Jahres musste er sich einer Herzoperation unterziehen

Berlusconi war 2013 nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs aus dem Senat ausgeschlossen worden. Seine Partei Forza Italia ist aber noch immer populär in Italien und liegt laut Umfragen in der Wählergunst bei etwa zwölf Prozent.

ala/dpa/Reuters