Camilla Parker Bowles: Ernte 57 - DER SPIEGEL
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Camilla Parker Bowles Ernte 57

Indem sie Charles zum Gatten nimmt, tritt Camilla Parker Bowles in die Fußstapfen der Königin der Herzen. Doch die Frau, die jahrelang gegen ihr Image als derbe Landfrau kämpfen musste, hat der verstorbenen Diana etwas voraus: Das Herz des künftigen Königs gehört ihr.
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Sie ist die Fleisch gewordene Antithese Lady Dianas: der burschikose, kettenrauchende Kumpel mit Hang zu blutigen Jagdgemetzeln und derben Witzen. Eine Frau, die über dreißig Jahre lang am Objekt ihrer Begierde hängen blieb, obwohl der Hof, die Konvention und die Tatsache, dass sowohl sie selbst als auch Charles bereits verheiratet waren, eine derartige Beziehung eigentlich hätten unmöglich machen müssen. Doch Camilla Parker Bowles gab nicht auf. "The Rottweiler", wie Diana ihre Konkurrentin einst nannte, hatte sich buchstäblich an Charles festgebissen. Jetzt wird ihre Hartnäckigkeit belohnt, ihre Liebe zum Prinz of Wales durch die geplante Eheschließung gleichsam geadelt.

Die junge, fragile Prinzessin Diana hatte 1981, verunsichert und vom Lauf der Dinge sichtlich überfordert, den Bund des Lebens geschlossen - mit einem Mann, der dem Vernehmen nach am Tag der weltweit bejubelten Märchenhochzeit der Jugendfreundin einen Siegelring überbringen ließ - als Zeichen seiner Treue.

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Camilla Parker Bowles: Dauergeliebte und Schattenfrau

Foto: DPA

Camilla Parker Bowles ist ein anderes Kaliber in einer anderen Zeit: Die 57-jährige geschiedene Frau ist Mutter zweier erwachsener Kinder und hat ihre Mädchenträume - sollte sie je welche gehabt haben - bereits ausgeträumt. Der Lohn für ihr Durchhaltevermögen ist Genugtuung. Genugtuung darüber, die Ablehnung der Königin und der Öffentlichkeit in moderate Akzeptanz gewandelt zu haben. Genugtuung auch darüber, das Image des dreisten Eindringlings in eine angeblich intakte Beziehung und der notorischen Ehebrecherin überwunden zu haben. Zu groß war die Sympathie der Briten für die betrogene, von Bulimie und Selbstzerstörung heimgesuchte Diana, die in einem Interview bekannte: "Wir waren zu dritt in dieser Ehe - das war ein bisschen viel".

Später, nach der Scheidung, betrachtete Diana die Liaison von Charles und Camilla offenbar mit mehr Humor: Einen königlichen Abort im Kensington Palast soll die Princess of Wales mit Cartoons dekoriert haben, auf denen Kokain-Konsument Diego Maradona Thronfolger Charles empfiehlt, er solle sich auf Drogen testen lassen, wenn er glaube, Camilla sehe gut aus. Selbst der Gatte der Queen, Prinz Philip, soll Diana gestanden haben: "Ich kann mir niemanden bei Sinnen vorstellen, der bereit ist, Dich für Camilla zu verlassen." Das konnte der Rest der Welt auch nicht - Thronfolger Charles hingegen schon.

Der lange Weg zum Happy End

Doch bis zu seinem persönlichen Happy End hatte der Prinz of Wales noch einen langen Weg zurückzulegen: Nach endlosen Querelen hatten Charles und Diana im Dezember 1992 offiziell ihre Trennung verkündet, eine Scheidung jedoch zunächst ausgeschlossen. Doch dann überzogen sich die beiden Eheleute unvermutet mit hässlichen Tiraden: Charles gestand im Fernsehen seinen Ehebruch, was einem Schlag ins Gesicht der Prinzessin gleichkam. Doch auch Diana wusste, wie man in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche wäscht: In einem TV-Interview berichtete die dramatisch geschminkte Blondine im November 1995 über die Qualen, die sie durch die Beziehung ihres Gatten zu Parker Bowles erlitten hatte - und stellte Charles' Eignung als zukünftigen König in Frage.

Um einen Schlussstrich unter das unsägliche Ehedrama zu ziehen, forderte schließlich die Königin selbst das Paar auf, sich scheiden zu lassen. Unverzüglich. Nach einem wilden Streit über Abfindungszahlungen und Dianas zukünftige Stellung wurde die Scheidung Ende August 1996 offiziell vollzogen. Ihren Titel "Königliche Hoheit" musste Diana abgeben, fortan war sie die um 15 Millionen Pfund reichere Princess of Wales, eine Jet-Set-Prinzessin.

Charles' Welt steht Kopf

Seit der Scheidung und dem tragischen Autounfall, bei dem Diana 1997 ums Leben kam, wurde die Frau im Schatten des Prinzen durch clever arrangierte gemeinsame Auftritte immer häufiger der Öffentlichkeit präsentiert. Nachdem sie ihrem leidigen Jagdoutfit und Landfrauen-Schick abgeschworen und sich in seidig glänzenden Roben geworfen hat, ist Bowles als Langzeitpartnerin des Thronfolgers weithin akzeptiert. Umfrage zeigen, dass die Mehrheit der Briten eine Hochzeit von Charles und Camilla inzwischen als unausweichlich betrachtet. Und auch die Familie scheint sich nun damit abgefunden zu haben: Seit etwa einem Jahr teilt Camilla die offiziellen Räumlichkeiten in der Londoner Clarence House Residenz mit ihrem Prinzen.

Camilla Shand wurde am 17. Juli 1947 als Tochter eines wohlhabenden Weinhändlers und einer Aristokratin in London geboren. Aufgewachsen auf einem Landgut in Sussex, besuchte sie in South Kensington die Queen's-Gate-Schule, bevor sie ihre Ausbildung in der Schweiz und Frankreich beendete. Camilla frequentierte früh dieselben Gesellschaftskreise wie Charles, was sie 1972, ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung mit Charles bei einem Polo-Spiel, sehr explizit betont haben soll: "Meine Ur-Großmutter war die Geliebte ihres Ur-Ur-Großvaters. Also wie wär's?"

Charles war von dem Vorschlag offensichtlich angetan, denn ab diesem Zeitpunkt sollen sich die beiden getroffen haben. "Seine Welt wurde auf den Kopf gestellt und ich glaube nicht, dass er sich je davon erholt hat", sagt Christopher Wilson, der ein Buch über die langjährige königliche Affäre verfasst hat. Als Charles beschloss, bei der Navy Karriere zu machen, heiratete Camilla jedoch den Kavalleriemajor Andrew Parker Bowles. Der Kontakt der beiden sei jedoch niemals völlig abgerissen, heißt es. Bereits zwei Jahre nach der Geburt von Prinz Harry im Jahr 1984 soll die Liaison wieder entflammt sein.

Gladys und Fred tun es

Wie sehr Charles selbst in die Beziehung zu Camilla involviert war, offenbarten heimlich abgehörte und in der Folge veröffentlichte Telefongespräche aus dem Jahr 1993. Neben ernsten Gesprächen über staatstragende königliche Verpflichtungen praktizierte das Liebespaar damals offenbar eine skurrile Form von Telefonsex. Ein aufgezeichneter Sechs-Minuten-Dialog machte damals weltweit die Runde. Darin soll Charles über ein Leben in Camillas Höschen phantasiert und sich eine Wiedergeburt als Tampon vorgestellt haben. Der Thronfolger nennt seine Geliebte "Gladys", für sie ist er "Fred".

Freunde des Paares betonen, Camilla habe dem 56-jährigen Charles die Wärme und Sicherheit gegeben, die er in seiner Kindheit unter dem strengen königlichen Reglement vermisst habe. Sie gebe ihm Rat und Liebe gleichermaßen. Das darf sie nun auch offiziell. Am 8. April sollen auf Schloss Windsor die Glocken läuten.