Charlotte Church zum Abhörskandal "Die Presse hat mich zur Karikatur gemacht"
Sängerin Church vor dem Komitee: "Glaubwürdigkeit in Stücke gerissen"
Foto: POOL/ REUTERSLondon - Am Montag sagte die einst als Engelsstimme gefeierte Sopranistin und heutige TV-Moderatorin Charlotte Church vor dem Untersuchungsausschuss der britischen Medienethik-Kommission aus. Ihr Bericht gab einen detaillierten Einblick in das Gebaren der Boulevardmedien auf der Insel, das seit dem Skandal um die inzwischen eingestellte "News of the World" im Fokus der Ermittler steht.
Die Presse habe permanent Lügen über sie verbreitet, erklärte die heute 25-jährige Waliserin. Ihre Glaubwürdigkeit sei dadurch "in Stücke gerissen", ihrer Karriere irreparabler Schaden zugefügt worden. "Man hat mich so lange zu einer Karikatur gemacht, aber die Person, als die ich dargestellt wurde, bin ich nicht", sagte Church mit ruhiger Stimme dem Komitee.
Der Einfluss der Medien auf ihr Familienleben sei zerstörerisch gewesen. Ihre Mutter habe über Selbstmord nachgedacht, nachdem sie erfahren hatte, dass in einem Artikel über die außereheliche Affäre ihres Mannes berichtet werden würde.
Das ehemalige Nachwuchstalent berichtete, wie Paparazzi versuchten, ihr in den Ausschnitt oder unter den Rock zu fotografieren. Als sie gerade 17 Jahre alt war, habe man angeblich intime Details aus ihrem Sexleben ausgeplaudert. Unter anderem hatte Murdochs Boulevardblatt "The Sun" öffentlich die Tage bis zu ihrem 16. Geburtstag gezählt - weil sie dann legal Sex haben könne. "Das fühlte sich einfach entsetzlich an", sagte Church am Montag.
Als immer mehr Details aus ihrem Privatleben an die Öffentlichkeit drangen, habe sie schließlich angenommen, dass Personen aus ihrem engsten Umfeld sie ausspionierten. Sie habe Familienmitglieder verdächtigt, obwohl es in Wahrheit die Medien waren, die ihr Telefon gehackt hatten.
Murdochs Deal: Viel singen für wenig Wohlwollen
Church berichtete den Ermittlern, sie sei im Alter von 13 Jahren gebeten worden, auf der Hochzeit von Rupert Murdoch im Jahr 1999 mit Wendi Deng zu singen. Man habe ihr 100.000 Pfund Gage angeboten. Sollte sie allerdings gar kein Geld verlangen, könne sie sich in Zukunft einer durchweg positiven Berichterstattung sicher sein, hieß es.
Sie selbst habe die Gage favorisiert, sei aber von ihren Managern angewiesen worden, gratis aufzutreten, um in den Genuss der Vorzugsbehandlung zu gelangen, so Church. Sie habe dann bei der aufwendigen Zeremonie gesungen - die Strategie, sich das Wohlwollen des Medienmoguls zu sichern, sei jedoch nicht aufgegangen.
Die von Richter Brian Leveson geleitete Kommission plant, im kommenden Jahr einen Bericht zu veröffentlichen, der sich mit den Folgen des Abhörskandals um Rupert Murdochs "News of the World" auseinandersetzt und Empfehlungen für eine moralisch einwandfreie Berichterstattung gibt. Das Blatt wurde im Juli eingestellt, nachdem herauskam, dass es Prominente, Politiker und sogar Verbrechensopfer ausspioniert hatte. Mehr als ein Dutzend Journalisten der "News of the World" wurden festgenommen, auch der Medienberater von Premier David Cameron sowie mehrere leitende Angestellte von Murdoch stolperten über die Affäre.
In der vergangenen Woche hatten bereits die Schauspieler Hugh Grant und Sienna Miller die zerstörerische Wirkung der Medien auf ihr Leben beschrieben, außerdem die Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling und die Eltern der vermissten Madeleine McCann.