Dohertys Strichervergangenheit: "Das waren doch bloß arme alte Tunten" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Dohertys Strichervergangenheit "Das waren doch bloß arme alte Tunten"

Pete Doherty, gerade 28 geworden, findet nichts dabei, dass er als junger Mann auf den Strich gegangen ist - und das für 20 Pfund. Das jedenfalls behauptet er in einem Interview mit dem Männermagazin "Vogue Hommes".
Von Kim Rahir
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Er schämt sich nicht. "Ja, es stimmt, aber da gab es nichts wofür ich mich schämen müsste, irgendwie wusste ich ja, dass das bloß arme alte und vereinsamte Tunten waren", sagt der junge Musiker mit dem zähen Drogenproblem in dem Gespräch.

Nach all dem, was über den Kokain- und Cracksüchtigen Rocker schon geschrieben wurde, wirkt er seltsam naiv. "Ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich Sie anlügen oder an der Nase herumführen würde", beteuert Doherty, dessen Mutter gerade ein Buch über ihren einst mustergültigen Sohn veröffentlicht hat.

"Was Sie aus dem machen, was ich Ihnen erzähle, davon kriege ich kein schlechtes Gewissen." Offenbar auch nicht davon, dass er während des Interviews wieder eine Crackpfeife hervorkramte. Entzug, Rückfall, Festnahme, Skandal - das alles nimmt dieses für "Vogue Hommes" von Starfotograf Mario Testino fotografierte Männlein mit erstaunlichem Gleichmut hin. Wie ein Robin Hood der Musik spiele er noch vor dem Eingang zum Gericht für die neugierigen Massen auf, wenn er drinnen wieder wegen Drogenbesitzes und -konsums verdonnert werden soll, so das Blatt.

Den kindlich hilflosen Eindruck, den dieser Junge macht, kann auch der neueste Anzug von Dior Homme mit passendem Hut und Umhang nicht wirklich wettmachen. Selbst bei seinem Werbevertrag mit der wiederauferstandenen Männermarke unter dem künstlerischen Leiter Hedi Slimane wirkt Doherty eher wie ein Spielball denn wie ein erwachsener Mann. Dass der drogensüchtige Brite dem eleganten Franzosen gefalle, "das ist schon komisch", findet Doherty, "ich traue mich gar nicht richtig, darüber nachzudenken, weil das so angenehm ist".

Wer schon so lange als abgewirtschaftet und heruntergekommen dargestellt wird - und das in über 400.000 Internet-Einträgen - der kann offenbar gar nicht glauben, dass jemand ihn nicht als armseligen Junkie sehen will. "Das ist für mich ein ziemlich seltenes Gefühl, dass ich ein annehmbares Aussehen habe. Die meisten Leute reißen sich ja ein Bein aus, um mich so widerlich wie möglich aussehen zu lassen."

Nur seine Mama hält zu ihm. "Mein verlorener Sohn" heißt ihr Buch über die Kindheit des Jungen, der "pünktlich, höflich und glücklich" gewesen sein soll. "Das hat sie ja wohl nicht wirklich geschrieben?", staunt Doherty, der damit seine Behauptung unterstreicht, er habe das Buch selbstverständlich nicht gelesen. Aber er weiß auch ohne diese Lektüre, dass Mutter immer für ihn da ist.

"Mein Vater hat mich verleugnet, das hat mir das Herz gebrochen. Meine Mutter dagegen, die wird mich immer lieben, was auch passiert." Er selbst, räumt er ein, findet sich nicht so toll. Selbstverliebt könne er ja wohl kaum sein, "weil mein Persönchen mir nicht wirklich gefällt". Eitel sei er trotzdem, aber Illusionen, das ist klar, macht der 28-Jährige sich nicht: "Sehen Sie doch, in welchem Zustand ich bin."

Mehr lesen über