Eigene Kollektion Kate Moss wird Schaufensterpuppe
Wenn Kate Moss Dinge tut, die andere Models ganz selbstverständlich auch tun, läuft alles dann doch immer etwas anders. Andere Models haben zum Beispiel Sprecher oder Agenten. Moss hat "Freunde". Gute Freunde und nicht ganz so gute, die sie dann auch mal beim Koksen filmen und die Bilder anschließend an Boulevardzeitungen verkaufen. Einer von den mutmaßlich guten Freunden kündigte laut der Nachrichtenagentur AFP nun einen lukrativeren und weniger skandalträchtigen Auftritt an: "Kate wird selbst im Schaufenster stehen." In einem Schaufenster der Modekette Topshop, um genau zu sein.
Nun könnte man argumentieren, dass das Dasein eines Topmodels ohnehin eine Art fortgesetzte Schaufensterpuppen-Existenz in den verschiedenen Auslagen der Modewelt ist Laufsteg, Fotoshooting, Entzugsklinik, Rockkonzert. Das Wort Mannequin heißt im Englischen sogar genau das Schaufensterpuppe. Im vorliegenden Fall wird Moss aber ganz buchstäblich in einem Schaufenster stehen als Mode-Ikone hinter Glas, als Werbeargument, das 14- bis 29-jährige Frauen und Mädchen dazu bewegen soll, die unter Moss' Anleitung hergestellten Hotpants und Oberteilchen zu kaufen.
Topshop ist eine Art britische Version von H&M: Eine Kette, die erschwingliche Varianten aktueller Modetrends für junge Menschen verkauft. Ihr Eigentümer Philip Green ist Milliardär und auch einer von den Freunden von Kate Moss. Und weil er einer von den guten und nicht den falschen Freunden ist, hat Green seiner Freundin Moss AFP zufolge 4,5 Millionen Euro für die Kollektion bezahlt. Stolzes Einstiegsgehalt für eine, die ihren eigenen Worten zufolge eigentlich nur eingeschränkt etwas von der Materie versteht: "Ich habe so etwas nie zuvor gemacht, aber ich bin seit Jahren dabei und sehe, wie es gemacht wird. Also weiß ich auch, welche Änderungen zu machen sind."
Die Moss-Kollektion ist echte Kate-Mode: eher für schlanke Trägerinnen wie die Designerin selbst gedachte Kleidchen, Hüfthosen und Hotpants. Die abgesägten Jeans zum Beispiel kosten etwa 45 Euro. Auch sonst sind die insgesamt 90 Moss-Stücke so bepreist, dass auch die Zielgruppe unter 30 sich ein Kate-Kleidchen leisten kann.
Den Dienstag hat Topshop nun zum "K-Day" ausgerufen. In über 200 Filialen wird man die Kollektion erwerben können, im "Flagship Store" in London wird ein roter Vorhang im Schaufenster hängen. Und wenn der dann beiseite gezogen wird, soll dahinter Kate persönlich stehen. Der besagte Freund gab auch noch zu Protokoll, dass die Werbeaktion höchstens von humoristischen Fallstricken bedroht sein könnte: "Ihr größtes Problem wird wohl sein, zwischen den ganzen Puppen nicht anzufangen zu lachen."
cis/AFP