Fashion Week Berlin: Promis, bitte kommen - DER SPIEGEL
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Fashion Week Berlin Promis, bitte kommen

Ausgerechnet einem Klum-Azubi muss das passieren: Ex-Fernseh-"Topmodel" Barbara Meier kippte bei einer der Fashion-Week-Schauen in Berlin aus den Pumps. Das Promi-Aufkommen an den Catwalks ist bislang überschaubar - nur eine brachte internationales Flair.
Von Antje Wewer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Berliner Catwalk: Vorsicht, Pumps!

Foto: Florian Seefried/ Getty Images

Bei der Berlin Fashion Week wird bislang nicht mit aufregender Mode, sondern mit geschickt inszenierter Show gepunktet. Ein gutes Beispiel ist die patente Designerin Anja Gockel, deren Label "Anja Gockel London" schnell mit der britischen Hauptstadt assoziiert wird, die aber längst wieder in Mainz lebt und arbeitet.

Als Opener für ihre Show schickte Gockel das schwarze Top-Model Alek Wek in einer kleinen Paillettenjacke über den Laufsteg und erntete spontanen Szenenapplaus. Die Sudanesin, die sonst in New York oder Paris für Designer wie John Galliano oder Calvin Klein läuft, brachte genau das mit, was dieser Fashion Week bislang fehlt: internationales Flair.

Da fiel dann gar nicht weiter auf, dass die Kollektion von Anja Gockel eher bieder und alles andere als innovativ war. Backstage gab die 32-jährige Wek, die nicht nur sehr dünn, sondern auch sehr groß ist, zu Protokoll, dass sie von der Designerin Gockel vor ihrer Anfrage noch nie gehört hatte, aber spontan Lust verspürte, die junge Fashionmetropole Berlin zu unterstützen. "In Paris und New York war ich schon so oft, und in London sind zurzeit alle verrückt nach Berlin."

Schon das Auftauchen von C-Prominenz löst Blitzlichtgewitter aus

Wek, die weit entfernt von den Berliner Szenevierteln standesgemäß im Luxushotel Adlon residiert, verschwieg, in welcher Größenordnung sich ihr Salär bewegt. Anja Gockel wird sie ihr Geld Wert gewesen sein, schließlich hat sie nach dem letzten Besuch der Berlin-Fashion Week ihren Umsatz um 30 Prozent steigern können.

Dass es bei der Modewoche in erster Linie ums Geschäft geht, bewies auch der gemeinsame Auftritt von Fotograf Nick Knight und Anders Sundt, dem Leiter der Markenkommunikation von Hauptsponsor Mercedes-Benz. Gemeinsam mühten sie sich in bester Verkäufermanier redlich, das futuristisch-düstere Plakat der Fashion Week vorzustellen, auf dem viel Auto (der SLS AMG, ein Sportwagen mit Flügeltüren), wenig Mode und gar nichts von Berlin zu sehen ist.

Eher ungewollt generierte Barbara Meier ("Germany's Next Topmodel") Aufmerksamkeit, als sie auf dem Laufsteg für die Grazer Designerin Lena Hoschek einen Schuh verlor. In Paris wäre das mit einem müden Lächeln quittiert worden, in Berlin gab es Applaus. Und nur in Berlin kann eine C-Prominente wie Liliane Matthäus, die Bald-nicht-mehr-Ehefrau von Lothar Matthäus, ein Blitzlichtgewitter bei den Fotografen auslösen - weil eben niemand Interessanteres da ist.

Bei der Shows von "Dimitri" und "Susanne Wiebe" sollte Frau Matthäus zunächst als "First-Row-Gast" zugegen sein, dann wieder nicht, nur um sich dann am nächsten Morgen bei Anja Gockel in die erste Reihe zu schmuggeln. Bisheriges Maskottchen der Modewoche ist das schwedische Popsternchen Aude Dione, auch Lady Gaga für Arme genannt. Nicht mal der sonst omnipräsente Boris Becker ist bislang aufgetaucht. Bleibt nur zu hoffen, dass es Hugo Boss mit seinen Celebrity-Kontakten vermag, die Qualität des Prominenz-Aufkommens zu steigern. Bisher liegt die Messlatte jedenfalls sehr niedrig.

Große Masche bei Frenzel, zu viele Pailetten bei Joop!

Uneingeschränkte Aufmerksamkeit für seine avantgardistischen Strickentwürfe bekam bisher eigentlich nur der 29-jährige Sam Frenzel, der letztes Jahr "Designer for tomorrow" wurde und dem Peek & Cloppenburg deshalb seine Kollektion finanzierte.

Die Joop!-Show in der Nationalgalerie kam einer modischen Beerdigung gleich und verdeutlichte, was passiert, wenn kreativer Kopf und Geschäftsführung nicht mehr harmonieren.

Es fehlte eine klare Linie, ganz zu schweigen von einer Haltung.

Die letzte Show des scheidenden Kreativdirektors Dirk Schönberger war eine Art schnelle Stehveranstaltung. Die Gäste nahmen nicht Platz, sondern gruppierten sich um den Laufsteg. Das beeindruckende Ambiente - die erste Fashionshow überhaupt in der Nationalgalerie -, Musik und Männermode gingen noch auf das Konto von Schönberger. Die kitschige Fotoprojektion eines schmusenden Vorzeigepärchens, die glänzenden bis samtig schimmernden Stoffe, die Pailletten und gefälligen Blumenmuster sind allerdings alles andere als seine Handschrift.

Marc Biggemann und Stefanie Gross werden Schönberger ablösen; als am Ende der Show mäßiger Applaus einsetzte, nahm ihn jedoch keiner der drei Designer entgegen, der Catwalk blieb leer. Wie soll man dies anders deuten denn als eindeutiges Signal, dass der Chefdesigner Schönberger nicht hinter der gezeigten Kollektion steht?

Schönberger ließ sich jedoch keinesfalls die Laune verderben und feierte offsite, im Cräckers, dem Lager von Clubbetreiber Cookies, seine eigene Party. Ohne Branding und gesponserte Getränke, sondern einfach nur mit Freunden und Bier aus der Flasche.

"Keinen Stil diktieren lassen"

Der umtriebige Make-Up-Artist Armin Morbach glaubt, dass sich mehr etablierte Designer im Fashionzelt zeigten, wenn im Vorfeld die Auflagen der Sponsoren nicht so "absurd" wären. "Wer im Zelt zeigt, muss die Produkte von L'Oreal verwenden. Dazu haben viele keine Lust, sie wollen sich kreativ entfalten und sich keinen Stil diktieren lassen." Deshalb schminke und frisiere er die Models, die am Freitag bei "Hausach Couture" laufen, zum Beispiel nicht im Zelt, sondern im naheliegenden "Hotel de Rome".

Veranstalter IMG widerspricht. Niemand sei gezwungen, die Sponsoren-Marken zu verwenden: "Wer lieber einen eigenen Make-up-Artist mitbringen oder andere Produkte benutzen will, kann das gerne machen", sagt IMG-Sprecher Daniel Aubke, "er muss dann aber für die Extra-Kosten selbst aufkommen." Diese Handhabe sei auch bei Schauen in Mailand oder New York üblich, schließlich habe der Sponsor eine Menge Geld investiert und wolle im Gegenzug auch präsent sein. Es habe lediglich ein "Timing-Problem" gegeben, Morbach schminke deshalb nicht im Zelt.

Auch Designer Michael Michalsky äußerte kürzlich, dass ihn die Auflagen der Veranstalter abschreckten - und stellt deshalb am Freitag seine eigene "Style Night" auf die Beine, Sponsoren sind allerdings auch bei ihm im Boot. Fashion ist eben ein Business - egal ob an der Spree oder Paris. So gesehen hat Berlin schon zu den großen Modemetropolen aufgeschlossen.