Baden-Württembergs First Lady Interview auf Englisch – Flavia Zaka wehrt sich gegen Kritik
Flavia Zaka: »Ich kann verstehen, dass viele Menschen denken, dass ich Deutsch sprechen sollte«
Foto: Marijan Murat / dpa / picture alliance»Jeder soll reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist«: Das sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir nach seiner Wahl und warb damit auch explizit für Dialekte wie das Schwäbische. Das Pflegen der Mundart sei wichtig und identitätsstiftend : »Gerade wenn es um Emotionen geht, kann man diese ganz anders zum Ausdruck bringen als in der Schriftsprache.«
Özdemirs Frau Flavia Zaka, 40, wird nun dafür angefeindet, ein Interview auf Englisch gegeben zu haben. Konkret geht es um ein Video auf dem Instagram-Account der Landesgartenschau Ellwangen. Die First Lady wird darin unter anderem gefragt, wie sie die Ausstellung finde und was ihr Lieblingsplatz dort sei. Zaka wurde in Albanien geboren; als sie zwölf Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Kanada aus. Seit 2025 lebt sie mit Özdemir in Stuttgart.
»Ich kann verstehen, dass viele Menschen denken, dass ich Deutsch sprechen sollte«, sagte sie der »Schwäbischen Zeitung« . Medienberichten zufolge sammelten sich unter dem Video kritische Kommentare, die Zaka teils persönlich angingen. Viele hat der Account der Landesgartenschau inzwischen offenbar gelöscht.
Zaka sieht sich immer wieder als Außenseiterin
Es gebe regelmäßig Aufregung darüber, dass sie in Interviews kein Deutsch spreche, sagte Zaka. »Natürlich möchten diejenigen, für die Schwäbisch ihre vertrauteste Sprache ist, diese Sprache gepflegt, geschützt und von Menschen in repräsentativen Positionen vertreten sehen.« Sie wisse, »wie es sich anfühlt, wenn man nicht das Gefühl hat, dass die eigene Sprache mit Stolz getragen und repräsentiert wird«. Gleichzeitig brauche sie Zeit, um ihren eigenen Zugang zur Sprache und zum Dialekt zu finden. »Es geht um Fragen dazu, wie ich mich in die deutsche Kultur, die schwäbische Kultur und das politische Leben einfinde. Und das alles zusätzlich vor dem Hintergrund meiner Migrationsgeschichte.«
Die habe für sie Vor-, aber auch Nachteile: »Ich komme immer wieder in neue Umfelder, in denen ich zunächst eine Außenseiterin bin. Das ist manchmal sehr schwierig«, sagte Zaka. Gleichzeitig eröffne ihr dieses Leben regelmäßig neue Perspektiven. »Man sieht sich selbst, die eigenen Bräuche und Gewohnheiten in einem neuen Licht, wenn eine andere Kultur zum Vergleichspunkt wird. Man begegnet anderen Formen, miteinander zu leben, zu feiern und mit Herausforderungen umzugehen.«
Zaka und Özdemir traten erstmals 2024 als Paar auf, im Februar 2026 heirateten sie in Tübingen. Der dortige Oberbürgermeister Boris Palmer traute sie.