Modelagentur-Chefin Eileen Ford: Ein Leben für die Supermodels
Eileen Ford ist tot Das Muttertier der Models
New York - Zu fett, zu krumme Nase, zu klein - mit strenger Hand und unverblümter Kritik trat Eileen Ford ihren Models entgegen. 86-60-86 und 1,76 Meter groß, das waren die Idealmaße. "Ich verkaufe keine Seelen, sondern professionelle Fotomodelle - die innere Schönheit lässt sich schwer abbilden", pflegte die Chefin von Ford Models zu sagen. Kritiker warfen ihr Zuhälterei vor, Bewunderer legten ihre professionelle Oberflächlichkeit als gutes Auge für Talent aus.
Sie habe ihre Agentur wie ein Frauenkloster geführt, schreibt die "New York Times" über Eileen Ford. Die New Yorkerin galt als Muttertier der Models. Tatsächlich nahmen sie und ihr Mann Jerry ihre Schützlinge öfter bei sich in ihrem Haus in der Upper East Side auf. Manche soll sie in ihr Sommerhaus in Long Island mitgenommen haben, zur Gartenarbeit. Anderen buchte sie ein Zimmer in einem Frauen-Hotel - eine Mischung aus Schutz und Starthilfe.
Sie wachte über ihre Models wie über eine Klasse Schulmädchen. Sie brachte ihnen nicht nur bei, zu posieren, sondern lehrte sie Etiquette. Sie bewahrte ihre Mädchen vor Ausbeutung, vor Übergriffen, wie sie schönen jungen Frauen in der Szene oft dräuten. "In unserer Branche gibt es rücksichtslose Gestalten", sagte Ford 1996 in einem Interview mit dem SPIEGEL SPECIAL. "Die setzen sogar Männer auf die Mädchen an, um sie von uns abzuwerben." Solche Methoden habe sie stets abgelehnt.
Weihnachtskarten von Sharon Stone
1947 gründete Ford mit ihrem Mann Jerry die Agentur Ford Models. Die Idee dafür hatte sie ein Jahr zuvor vor der Geburt ihres ersten Kindes: Der Job ließ sich von zu Hause aus erledigen und sie wusste, wie schwer es für junge Frauen in dem Beruf in New York City war. Sie selbst war hier geboren und aufgewachsen. Während des Studiums hatte sie als Model, Fotografin und Moderedakteurin gejobbt.
Mütterlich aber auch mit forderndem Anspruch habe sie die jungen Mädchen erzogen, wie die "Washington Post" schrieb. Dazu kam ihr Auge für das, was sich verkauft. "Du weißt nie, wann oder wo du das nächste neue Model findest", pflegte sie zu sagen. "Aber du kannst drauf wetten, dass jemand von Ford Models nach ihm sucht."
Ford wurde dafür bekannt, die Mädchen von den Straßen zu fischen. Mehrere Male soll sie hinter Kandidatinnen hergeschlichen sein, um ihr Potenzial auszukundschaften. Und Ford zog viele Talente an Land.
Bei ihr unterschrieben die Sechziger-Ikone Candice Bergen, einige Jahre später Lauren Hutton. Veruschka, Jerry Hall, Grace Jones, Jane Fonda, Ali MacGraw, Sharon Stone, Melanie Griffith, Rene Russo, Kim Basinger - selbst die junge Brooke Shields verschrieb ihre Karriere Ford Models. Viele verdienten zunächst ihr Geld mit der Schönheit, bevor sie internationale Stars wurden.
Fotos zeigen Ford oft umringt von ihren Models. In mehr als vier Jahrzehnten an der Spitze des Konzerns erschuf sie eine außergewöhnliche Einheit. Selbst Sharon Stone schickte über Jahrzehnte hinweg zuverlässig eine Weihnachtskarte.
Millionengagen für Mannequins
Ford sorgte dafür, dass Models nicht per Stunde, sondern nach dem Wert des Werbeeffekts entlohnt wurden. Sie schuf Charaktere mit Wiedererkennungswert und ebnete den Weg der Supermodels, die plötzlich gigantische Summen verlangen konnten. Sie machte Modeln zum modernen Beruf. "Models sind die erfolgreichsten, umsatzstärksten Verkäuferinnen der Welt", erklärte Ford. "Die Mädchen sind das viele Geld wert."
In den Achtzigern und Neunzigern hatte Ford gleich eine ganze Reihe dieser Über-Verkäuferinnen zusammen: Christy Turlington, Naomi Campbell, Linda Evangelista und Elle "The Body" Macpherson - alle Inbegriff des Supermodels.
Mit ihrer Agentur formte Ford wie keine andere das US-amerikanische Schönheitsbild: Breites Lächeln, gesunde Ausstrahlung, lange Beine, langer Hals - das war ihre Marke. Eine, die sie mit aller Macht verteidigte.
Laut "New York Times" wies sie einen Kritiker sinngemäß mit den Worten in die Schranken: "Es sind immer schlanke Menschen, die die Toten zu Grabe tragen". Als Ende der Siebziger Konkurrenz in Form einer Pariser Modelagentur nach New York zog, schickte sie deren Chef John Casablanca zur Begrüßung einen Stapel Bibeln in sein neues Büro. In jedem Exemplar war genau eine Passage rot angestrichen: die Zeilen über Judas.
Ihre vielen Wegbegleiterinnen meldeten sich nun zu ihrem Tod in den sozialen Netzwerken.
Eileen Ford starb am Mittwoch in Morristown in New Jersey. Sie wurde 92 Jahre alt.
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