Hochzeits-Boykott Kopfschütteln über die Queen
London - Nur 184 Schritte seien es, schrieb die britische Zeitung "Sun". 184 Schritte vom königlichen Windsor Castle bis zum Standesamt, in dem sich Prinz Charles und Camilla Parker Bowles das Ja-Wort geben werden. Dazu hatte das Boulevardblatt eigens einen Reporter mit Schrittzähler ausgerüstet und die Strecke ablaufen lassen. Dass die Queen nicht dabei sein wolle, wenn ihr Sohn Charles seine jahrelange Geliebte ehelicht, wertet die "Sun" als "snub", als Rüffel, als einen Affront gegenüber dem Brautpaar.
Camilla Parker Bowles: Dauergeliebte und Schattenfrau
Der Buckingham Palast wehrte sich umgehend gegen diese Interpretation: Die Entscheidung von Königin Elizabeth II. sei "keine Brüskierung". Die Queen nehme auf den Wunsch des Brautpaares Rücksicht, aus der Zeremonie im Rathaus von Windsor am 8. April kein riesiges Ereignis machen zu wollen. Am kirchlichen Segen in der Kapelle auf Schloss Windsor werde sie teilnehmen, und sie sei glücklich darüber, dort den anschließenden Empfang für das Paar auszurichten.
Doch nicht nur die "Sun", auch seriöse Medien wie die altehrwürdige BBC können ihre Verwunderung nur schwer verbergen. Warum sich die Queen gegen einen Auftritt im Rathaus entschieden habe, wisse niemand so genau, "möglicherweise noch nicht einmal ihre eigenen Mitarbeiter". Nach Ansicht des königlichen Biographen Robert Lacey könnte es mit der Würde der Monarchin unvereinbar sein, ihr Schloss zu verlassen, um in einer gewöhnlichen Stadthalle und in aller Öffentlichkeit der Zeremonie beizuwohnen: "Ich bin sicher, dass es weder die Königin noch sonst irgendjemand als angemessen empfindet, über die Straße zum Standesamt zu gehen."
Charles und Camilla: Schwieriges Paarlaufen in der Öffentlichkeit
Kenner der königlichen Familie sind sich dagegen einig, dass die Queen sich und dem Hause Windsor mit ihrer Weigerung keinen Gefallen getan hat: "Das ist ein PR-Desaster, das sich zu einer Farce entwickelt", sagte die Autorin Judy Wade. "Königliche Zeremonienmeister funktionieren immer wie ein Uhrwerk, und jetzt können sie noch nicht einmal eine Hochzeit in der Stadthalle organisieren."
Nach Angaben des Verfassungsexperten Harold Brooks-Baker ist es das erste Mal seit 142 Jahren, dass ein britischer Monarch die Hochzeit eines Kindes verpasst. "Das ist definitiv eine Demütigung, ein Frevel", so Brooks-Baker. "Die Berater im Buckingham-Palast müssen sich nochmal überlegen, was sie tun werden. Diese Sache muss aufhören, sonst werden sie den Bau der Monarchie in eine Ruine verwandeln." "Um Himmelswillen, die Königin ist die Mutter des Mannes, der einmal König sein wird", wundert sich der königliche Kommentator James Whitaker. Er bringt das öffentliche Unverständnis auf den Punkt: "In jeder normalen Familie im ganzen Land würde man von der Mutter erwarten, dass sie auf der Hochzeit ihrer Erben erscheint - selbst wenn es zum zweiten Mal wäre."