Hollywood-Scheidung : "Verrotte in der Hölle" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hollywood-Scheidung "Verrotte in der Hölle"

Diese Scheidung ist das Letzte: Die US-Schauspieler Charlie Sheen und Denise Richards sind in eine Schlammschlacht verwickelt, die selbst für Hollywood-Verhältnisse ungewöhnlich böse Ausformungen zeigt. Die Medien werden dabei meisterlich eingesetzt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Los Angeles - "Es ist kompliziert", sagt Denise Richards, 37, wenn sie von ihrem Scheidungsverfahren spricht. Das dürfte wohl die Untertreibung des Jahrhunderts sein.

Unkontrolliert, unklug, boshaft, rachsüchtig und verletzend sind Worte, die viel besser beschreiben, wie sich Richards und ihr Noch-Ehemann, der Hollywood-Schauspieler Charlie Sheen, 42, seit zwei Jahren verhalten.

"Eine der hässlichsten Hollywood-Scheidungen überhaupt" nennt der US-Sender "ABC" die Auseinandersetzung zwischen dem einstigen Traumpaar - und zeichnet minutiös die Tiefpunkte des Schlagabtausches nach.

Sheen und Richards trennten sich 2006 nach vierjähriger Ehe.

Richards reicht am 19. April 2006 die Scheidung ein und gibt als Begründung an, ihr Mann sei "labil, gewalttätig, spielsüchtig", pflege Umgang mit Prostituierten und besuche pornografische Webseiten. Ein Gericht verhängt eine einstweilige Verfügung gegen Sheen, wonach er sich Richards nicht mehr nähern dürfe.

Sheen gibt wenige Tage später eine Stellungnahme ab, in der er seine Noch-Ehefrau einer "boshaften, unverschämten, durchsichtigen und unreifen Schmierenkampagne" bezichtigte. Die Schlammschlacht war eröffnet.

Wie zwei Hunde um einen Knochen balgten sich Sheen und Richards fortan um das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Töchter Sam, heute 3, und Lola, heute 2 Jahre alt.

Samenspende? "Eher gehe ich auf dem Mond spazieren"

Im Juni 2006 einigen sich die Anwälte beider Parteien, die einstweilige Verfügung auszudehnen. Sheen und Richards finden neue Lebensabschnittsgefährten.

Nach einer Phase der Entspannung flammt der Streit im August 2007 erneut auf. Sheen verlangt ein ausgedehntes "unbelastetes" Umgangsrecht mit seinen Töchtern, Richards behauptet, Sheen habe sie mit Anrufen belästigt. Ein Gericht verfügt, beide Parteien dürften einander "nur in Notfällen" anrufen.

Im August 2007 erklärt Sheen in der TV-Sendung "Entertainment Tonight", seine Noch-Ehefrau Richards "will mein Sperma". Richards habe in einer E-Mail an Sheens neue Verlobte erklärt, sie wünsche sich ein weiteres Kind - am liebsten eines, das so sei wie die beiden Kinder, die sie bereits mit Charlie Sheen habe ("wunderschön, gesund"). Das dritte Kind solle im Reagenzglas gezeugt werden.

Ob er das Angebot in Erwägung ziehe, wurde Sheen in "Entertainment Tonight" gefragt. Seine Antwort: "Eher gehe ich auf dem Mond spazieren."

Pornografie-Anschuldigungen, das FBI als Kronzeuge

Im September 2007 wirft Richards ihrem Antagonisten vor, er fühle sich "zu minderjährigen Frauen" hingezogen. Sie halte es für notwendig, ihre Kinder zu schützen. Ihr Anwalt übermittelt dem Gericht einschlägige Web-Adressen, die Sheen auf seinem PC angesehen hatte. Sheens Verlobung, so gibt Richards zu Protokoll, sei im Übrigen eine "reine PR-Nummer".

Am 21. September 2007 mischt sich Sheens Verlobte Brooke Mueller in den Streit ein. Richards' Anschuldigungen seien "lächerlich".

Drei Tage später gibt Sheen bekannt, das FBI sei über Richards' Pornografie-Anschuldigungen informiert, halte es aber nicht für nötig einzuschreiten: "Ich habe dem FBI jeden Computer zugänglich gemacht, den ich besitze", so Sheen. "Die haben sich nie bei mir gemeldet."

Im Januar 2008 erhält Denise Richards den Zuschlag eines TV-Senders für eine Reality-Show über ihr Leben. Sheen versucht per einstweiliger Verfügung durchzusetzen, dass seine Töchter darin nicht gezeigt werden dürfen - und scheitert.

Im Februar 2008 sagt Sheen dem Magazin "People" über die Show seiner Noch-Ehefrau: "Wir alle sollten diesen Mist boykottieren!"

"Beide sollten einfach mal die Klappe halten"

Im Mai dementiert Denise Richards die Sperma-Story in der Talk-Show "Larry King": "Ich habe ja nichts gegen sein Sperma - aber ich will nichts davon."

Daraufhin veröffentlicht Sheen zwei Tage später die "Samenspende-Mail", die Richards angeblich an seine Verlobte schrieb: "Ich werde es mir nicht länger gefallen lassen, dass man mich in so unerhörter Weise als Lügner hinstellt", so Sheen.

Zwei weitere Tage später, am 23. Mai 2008, schießt wiederum Denise Richards zurück, diesmal in der "New York Post": "Ich will Charlies prostituierten- und transenverseuchtes Sperma nicht." Sie zitiert eine SMS, die Sheen ihr in der Vorwoche geschickt habe. Der Inhalt, so Richards, sei folgender: "Ich hoffe, du kriegst Krebs und dein schwachsinniger Vater auch. Verrotte doch in der Hölle, du verfluchte Schlampe."

Die Juristin Lynn Toler, Star der amerikanischen Fernsehgerichtsshow "Divorce Court", sendet per "ABC" einen guten Rat an das Ehepaar Sheen und Richards: Beide seien gleichermaßen im Unrecht, es gebe nur einen Ausweg aus der verfahrenen, aufgeheizten Situation: "Beide sollten einfach die Klappe halten."

pad

Mehr lesen über