Infantin Cristina vor Gericht "Ich habe meinem Mann vertraut"
Spaniens Infantin Cristina
Foto: JAIME REINA/ AFPNeuland für die spanische Monarchie: Zum erste Mal muss sich ein Mitglied der Königsfamilie vor Gericht verantworten. Die Infantin Cristina ist jetzt in einem Steuerbetrugsprozess vernommen worden.
Die 50 Jahre alte Schwester von König Felipe VI. beantwortete im Verhör in Palma de Mallorca nur die Fragen ihres Verteidigers.
Cristina wird zur Last gelegt, ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben. Der Ex-Handballstar ist in dem Prozess einer der Hauptangeklagten. Er soll als Präsident einer Stiftung mit einem Geschäftspartner rund sechs Millionen Euro Steuergelder unterschlagen haben.
Zu Beginn der rund einstündigen Vernehmung reagierte die Königsschwester mit Schweigen auf eine lange Serie von Fragen einer Anwältin, die die Nebenklage vertritt. Zuvor war ein mehrtägiges Verhör von Urdangarin zu Ende gegangen.
Cristina war Teilhaberin einer Firma, die ihr Mann laut Anklage dazu benutzt haben soll, Gelder aus der Stiftung abzuziehen. Vor Gericht betonte die Infantin, sich um die Geschäfte ihres Mannes nie gekümmert zu haben. Sie habe die Beteiligung an der Firma nur akzeptiert, weil ihr Mann sie darum gebeten habe.
Königspalast soll von umstrittenen Geschäften gewusst haben
Ihr fehlten zudem betriebswirtschaftliche und steuerliche Fachkenntnisse, sagte die Infantin auf Fragen ihres Anwalts. Sie habe nie an Vorstandssitzungen dieser Firma teilgenommen. In dieser Zeit sei sie mit der Erziehung ihrer vier Kinder, ihrem Beruf und den repräsentativen Pflichten für das Königshaus voll ausgelastet gewesen.
Auf die Frage ihres Anwalts, wie vielen Menschen sie vertraut habe, sagte sie: "Natürlich meinem Mann." Cristina hatte von Anfang an argumentiert, dass sie ihrem Mann voll vertraut habe und seine Geschäfte daher nicht hinterfragt habe.
Urdangarin hatte zuvor ebenfalls ausgesagt, dass Cristina mit seinen Geschäften nichts zu tun gehabt habe. Jedoch habe der Königspalast die umstrittenen Projekte der Nóos-Stiftung gekannt. Urdangarin habe den damaligen König Juan Carlos und den persönlichen Sekretär der Königstöchter Cristina und Elena, Carlos García Revenga, informiert.
Der Prozess gegen insgesamt 17 Angeklagte war am 11. Januar eröffnet wordenund wird voraussichtlich bis Juni dauern. Für Urdangarin fordert die Staatsanwaltschaft fast 20 Jahre Haft. Die Behörde hatte sich dafür ausgesprochen, das Verfahren gegen die Schwester des Königs einzustellen. Cristina wurde jedoch angeklagt, weil die Gewerkschaft Manos Limpias (Saubere Hände) als Nebenkläger darauf bestanden hatte. Cristina drohen bis zu acht Jahre Haft.
Die Affäre hat das Ansehen des spanischen Königshauses schwer erschüttert. Seit der Aufdeckung des Skandals spielen Cristina und ihr Mann keine öffentliche Rolle mehr. Der Krönung Felipes 2014 blieben beide fern.