Jan Assmann – Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Jan Assmann, 85

• aus DER SPIEGEL 9/2024
Foto: Christian Spicker / IMAGO

Eine Neigung zum Dasein als Sonderling besaß dieser Sohn eines Architekten früh. 1938 geboren, liebte er als Kind Literatur, klassische Musik und komponierte Kantaten. »Mit dem ganzen Hoch- und Übermut des Primaners« wendete sich Jan Assmann dann der Ägyptologie zu. Und wurde zum Gelehrten par excellence, der mit sanfter Stimme sprach und gern Fliege trug. Mit 38 Jahren hatte er einen Lehrstuhl an der Universität Heidelberg inne, etliche Grabungen führten ihn nach Ägypten. Er wurde zum herausragenden Experten seines Fachs, der etwa die Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter enträtselte. Die Liebe verhinderte, dass er in der Behäbigkeit des Elfenbeinturms verschwand. 28-jährig traf er die 19-jährige Abiturientin Aleida Bornkamm, die ihn nach eigener Aussage erleuchtete: Assmann entdeckte nun etwa die Beatles für sich. 1968 heirateten die beiden; die Ehe hielt bis zuletzt und brachte fünf Kinder hervor. Weil die Anglistin und Ägyptologin Aleida Assmann eigene wissenschaftliche Ambitionen hegte, musste Jan Assmann zwischenzeitlich in eine seiner Generation wenig vertraute Rolle schlüpfen: Er musste die Kinder hüten. Das Experiment gelang, weil er »so subsidiäre Tätigkeiten wie Grießbrei oder Spaghetti kochen virtuos beherrschte«, meinte Aleida Assmann. Ihren größten Coup als Forscher feierte das Paar zusammen: Die Theorie von der kollektiven Erinnerung, die Identität und Seelenhaushalt einer Gesellschaft prägt, gehört zum Wissenschafts­kanon. Jan Assmann starb am 19. Februar in Konstanz.

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