"Harte Haftstrafe nicht verdient" John Grisham empört mit Äußerungen über Pädophile
Bestsellerautor John Grisham 2011: "Als ob sie ein Haufen Perverser wären"
Foto: Jose Luis Magana / APHamburg - Bestsellerautor John Grisham hat mit einem Interview zum Thema Pädophilie für Irritationen gesorgt. Im Gespräch mit dem britischen "Telegraph" sagte der 59-Jährige, US-Richter hätten in den vergangenen 30 Jahren viel zu viele Leute eingesperrt, die sich im Internet Kinderpornos anschauen.
Es gebe Gefängnisse, die mittlerweile von "Typen meines Alters" bevölkert seien. "60-jährige weiße Männer, die nie jemandem etwas zuleide getan haben und nie ein Kind anrühren würden", zitiert das Blatt Grisham. "Aber eines nachts sind sie ins Internet gegangen, sind rumgesurft, vermutlich hatten sie zu viel getrunken oder sonst was. Dann drückten sie die falschen Knöpfe, gingen zu weit und kamen zum Kinderporno."
Als Beispiel führte er die Geschichte eines guten Uni-Freundes an. Dieser sei alkoholabhängig gewesen und auf einer Webseite gelandet, auf der 16-jährige Mädchen beworben wurden. "Er besuchte also die Seite, lud einiges Material herunter - es waren 16 Jahre alte Mädchen, die aussahen wie 30."
Grisham schickte noch hinterher, dass dies ein Fehler seines Freundes gewesen sei. Es sei jedoch nicht so gewesen, dass dort zehn Jahre alte Jungen abgebildet gewesen wären, er habe niemanden angefasst. Dieser Freund sei später vom FBI abgeholt und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden.
"Es gibt mittlerweile so viele Sexualverbrecher - so werden sie genannt - dass sie sie ins selbe Gefängnis stecken. Als ob sie ein Haufen Perverser wären", erklärt der Autor weiter seine kruden Thesen. Auch der Interviewführer scheint an dieser Stelle endlich aufzuwachen. Er fragt Grisham, ob er denn nicht das Argument verstehen könne, dass die Zahl der Zuschauer das Angebot von Kinderpornos bestimmt.
Grisham antwortete darauf mit Kritik an der amerikanischen Gesetzgebung. Es werde nicht unterschieden zwischen Tätern in der realen Welt und solchen, die sich die Inhalte herunterladen - "versehentlich oder anderweitig". Er hege keine Sympathie für Pädophile, aber es säßen sehr viele Männer im Gefängnis, die ihre harte Haftstrafe nicht verdienten.
Blogs wie "Gawker " und "Jezebel " äußerten Entsetzen. Selbst der "Daily Mail" waren Grishams Aussagen unheimlich. Kinder- und Menschenrechtsorganisationen haben sich bislang nicht geäußert. Begeistert dürften sie von dem Interview allerdings nicht sein.