Mega-Auktion: Welfen entrümpeln ihr Schloss - DER SPIEGEL
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Mega-Auktion Welfen entrümpeln ihr Schloss

Es ist eine der größten Versteigerungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Kunstwerke, Antiquitäten, Rüstungen - Kostbarkeiten der Welfen-Familie im Wert von rund zwölf Millionen Euro kommen derzeit auf Schloss Marienburg bei Hannover unter den Hammer.
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Hannover - Schon in der ersten Stunde wurden mehrere hunderttausend Euro eingenommen. Nach nicht einmal einer Stunde wurde ein dreiteiliges Altarbild eines Schülers von Lucas Cranach für 180.000 Euro verkauft. Auch andere Werke wurden innerhalb von Minuten verkauft. Die Versteigerung ist gut besucht.

Bei einer der größten Auktionen in der deutschen Nachkriegsgeschichte stehen bis zum 15. Oktober 20.000 Kunstschätze und Antiquitäten aus dem Besitz des Fürstengeschlechts im Angebot. In 20 Einzelversteigerungen bietet das Auktionshaus Sotheby's Waffen, Möbel, Schmuck, Kostüme und Gemälde an. Viele Stücke stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als die Welfen nicht nur die Könige von Hannover, sondern auch die englischen Könige stellten.

Mit der Auktion wollen Ernst August und Christian von Hannover etwa zwölf Millionen Euro erlösen. Die Söhne des Welfenchefs Ernst August hatten eigenhändig Keller und Dachgeschoss der Marienburg durchsucht, um die Verkaufsobjekte auszusortieren. Unter anderem hatte die Fürstenfamilie nach dem Krieg auf Schloss Marienburg Besitztümer aus anderen Schlössern wie Blankenburg und Cumberland gelagert.

Der Erlös der Versteigerung soll in eine Stiftung fließen, mit der das neogotische Schloss Marienburg modernisiert und zu einem "Neuschwanstein des Nordens" umgebaut werden soll. Bei der Vorbesichtigung waren mehr als 8000 Besucher auf Schloss Marienburg gekommen, darunter viele Interessenten aus europäischen Adelshäusern. Damit Käufer aus der Ferne mitbieten können, wurden im Schloss 120 Telefonleitungen verlegt.

Pillendöschen für 50 Euro

Im Angebot sind zum Beispiel eine Gala-Livree des englischen Königs Georg V. aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Schätzpreis von tausend Euro, das in London im Jahr 1717 gefertigte Altargeschirr von König Georg II. im Wert von 250.000 Euro oder ein Tee- und Dessertservice des Herzogs von Cumberland aus dem Jahr 1806 für geschätzte 400.000 Euro.

Als teuerste Objekte kommen zwei Vasen aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg zum Schätzpreis zwischen 500.000 und 750.000 Euro auf den Tisch. Silberschalen oder Pillendöschen sind dagegen bereits ab 50 Euro zu haben, Vasen oder Kupferkessel ab 200 Euro oder Tischdecken und Servietten ab 300 Euro. Das Auktionshaus Sotheby's hatte in den vergangenen Monaten die Stücke des Hauses Hannover in Amsterdam sortiert und in einem fast 20 Kilogramm schweren Katalog mit drei Bänden aufgelistet.

Umstritten ist, ob mit der Auktion nicht auch wertvolle Kulturgüter verhökert werden. Während Kunsthistoriker vor dem Ausverkauf des Welfenbesitzes warnten, hatte Niedersachsens Kulturminister Lutz Stratmann (CDU) betont, bei der Auktion kämen nicht viele Stücke von "tatsächlich herausragender Bedeutung" unter den Hammer. Das Fürstengeschlecht hatte niedersächsischen Museen ein Vorkaufsrecht für einige Stücke eingeräumt, so etwa für ein mittelalterliches Richtschwert oder für ein Porträt eines Braunschweiger Herzogs aus dem 16. Jahrhundert.