John Paul Getty III: Leben im Schatten des Großvaters
Mit 54 Jahren John Paul Getty III ist tot
London - John Paul Getty III ist tot. Wie sein Sohn Balthazar bestätigte, starb der Enkel des Ölmagnaten J. Paul Getty Sr. bereits am vergangenen Samstag in England nach langer Krankheit im Alter von 54 Jahren. Das berichtet die "Washington Post".
Getty wurde 1956 in Los Angeles in eine reiche Familie geboren. Er verbrachte den größten Teil seiner Kindheit bei seiner geschiedenen Mutter in Italien.
1973 erlangte er traurige Berühmtheit. Am 10. Juli des Jahres verschwand er, nachdem er ausgegangen war. Die Polizei ging zunächst von einem Scherz aus, als ein Anrufer der Mutter sagte, ihr Sohn sei entführt worden. Dann stellte sich jedoch heraus, dass der Teenager tatsächlich entführt worden war.
Sein Großvater weigerte sich, die von den Kidnappern geforderte Summe von 17 Millionen Dollar zu bezahlen. "Ich habe 14 weitere Enkel. Wenn ich jetzt einen Penny zahle, werde ich 14 gekidnappte Enkelkinder haben", sagte Getty Senior.
Erst nach fünf Monaten kam Bewegung in die Entführung, als eine italienische Zeitung ein Paket erhielt. Darin waren eine Locke von Gettys Haaren, ein abgeschnittenes Ohr und eine mit Schreibmaschine geschriebene Botschaft: "Das ist Pauls erstes Ohr", hieß es. "Wenn die Familie in zehn Tagen immer noch glaubt, dass dies ein Witz von ihm ist, wird das andere Ohr ankommen. In anderen Worten, er wird in Stücken ankommen."
Gegen eine Zahlung von 2,8 Millionen Dollar von Getty Senior ließen die Entführer den Teenager schließlich frei. Er wurde 160 Kilometer südlich von Neapel aufgegriffen. Als er seinen Großvater anrief, um sich für dessen Hilfe zu bedanken, nahm dieser laut "Washington Post" den Anruf nicht entgegen. Der Zeitung zufolge sagte er seinem Sohn, dem Vater des Entführten, dass das Geld ein Darlehen sei, das bei einem Zinssatz von vier Prozent zurückzuzahlen sei.
Zwei Entführer wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Der Großteil des Lösegeldes wurde nie gefunden. Gettys Hörvermögen blieb größtenteils intakt. Er versuchte, mit Schönheitsoperationen sein Ohr wiederherstellen zu lassen. Nach seiner Befreiung identifizierte sich Getty zunehmend mit der "Flower-Power"-Bewegung der Siebziger Jahre.
1981 erlitt Getty III einen Schlaganfall, der ihn lähmte und fast blind machte. Ab diesem Zeitpunkt saß er im Rollstuhl. Getty hatte sich zu dieser Zeit einer Therapie wegen Alkoholmissbrauchs unterzogen.