Mysteriöser Zwillingstod: Gemeinsam gelebt, gemeinsam gestorben - DER SPIEGEL
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Mysteriöser Zwillingstod Gemeinsam gelebt, gemeinsam gestorben

Einst führten sie ein glamouröses Leben, dann verschwanden sie völlig von der Bildfläche: Die unzertrennlichen Zwillingsschwestern Patricia und Joan Miller waren Stars der Varieté-Ära. Jetzt wurden sie tot aufgefunden. Offenbar starben sie, wie sie gelebt hatten - zusammen.
Die Miller-Zwillinge in früheren Zeiten: Der Tod der beiden Frauen gibt Rätsel auf
Die Miller-Zwillinge in früheren Zeiten: Der Tod der beiden Frauen gibt Rätsel auf

Die Miller-Zwillinge in früheren Zeiten: Der Tod der beiden Frauen gibt Rätsel auf

Foto: AP/ El Dorado County Sheriffs
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Was bleibt, ist ein Fotoalbum. Die Schwestern als Kinder, identische Blumen im Haar. Dann älter und mit asymmetrischen Kurzfrisuren, eine nach links gescheitelt, die andere nach rechts. Dazu Glamour-Posen, Publicity-Porträts, eine Aufnahme aus einem Nachtclub. Schließlich ein Bild mit Alt-Star Bing Crosby mit Panama-Hut, samt Autogramm: "Für meine Freundin Patty."

Die großformatigen Schwarzweißfotos erzählen eine längst vergessene Geschichte. "Patty" war Patricia Miller, die andere ihre Schwester Joan - eineiige Zwillinge, die mal eine halbwegs illustre Kuriosum-Karriere im US-Showbusiness hatten. Doch das ist lange her, zu lange, als dass sich noch jemand daran erinnert hätte. Die Ära des Varietés ging unter, und auch die Miller Zwillinge verschwanden von der Bildfläche.

Bis jetzt: Ende Februar wurden die Schwestern tot in ihrem kleinen Haus aufgefunden, im kalifornischen South Lake Tahoe, wo sie zuletzt in unzertrennlicher Einsiedelei gelebt hatten. Die eine lag im Schlafzimmer, die andere im Flur. Sie waren 73 Jahre alt, aber schon vor einiger Zeit verstorben - und offenbar kurz nacheinander.

Inzwischen bewegt das Mysterium der toten Zwillinge ganz Amerika: Wann, wie und woran starben sie? Wer waren sie wirklich? Gibt es Hinterbliebene? Wochenlang suchte die Polizei nach Hinweisen auf die genauen Lebensumstände der beiden Schwestern - und vor allem auf ihre letzten Tage.

Rätselhafte Vergangenheit

Ihre Leichen waren bereits verwest, was darauf hindeutet, dass sie seit Wochen, wenn nicht Monaten tot waren. Es wurden weder Blutspuren gefunden noch Hinweise auf Kampf, Einbruch oder anderes Fremdverschulden. Bis zum Abschluss der toxikologischen Untersuchungen, die nähere Erkenntnis über die Todesursache bringen könnten, dürfte es mindestens noch einen weiteren Monat dauern.

"So wie ich das sehe", sagte Detektiv Matt Harwood vom zuständigen Sheriffsbüro der AP-Reporterin Cristina Silva, die das Rätsel zuerst publik machte, "starb die eine, und das war zu viel für die andere." Ein Zwillingsschicksal: Gemeinsam im Leben - gemeinsam im Tod.

Über ihre Vergangenheit ist nur wenig bekannt. Ihr Vater war ein Farmer, ihre Mutter spielte Klavier. Sie wuchsen in Oregon auf, zogen in die Nähe von San Francisco. Schon als Mädchen sangen sie, im Radio, für Soldaten, später mit Crosby. In den fünfziger Jahren traten sie jedes Wochenende im Ballsaal des Piers von Santa Monica auf, in der TV-Show "Hoffman Hayride" des Swing-Sängers Spade Cooley, zu deren Gästen Frank Sinatra zählte.

Die populäre Sendung endete 1961 im Skandal, als Cooley zu lebenslanger Haft verurteilt wurde: Im Eifersuchtsrausch hatte er seine Frau ermordet. Und damit schienen auch die schillernden Jahre der Zwillinge zu enden.

Schweigsame Schwestern

Sie waren nie verheiratet, hatten keine Kinder und, wie die AP interessiert vermerkt, "keine Haustiere". Das nächste Datum ihres parallelen Lebenslaufs, das aktenkundig vermerkt ist, ist 1976: Da kauften sich die Zwillinge ihr Haus in South Lake Tahoe, einem idyllischen Ort an der Grenze zu Nevada. Joan arbeitete als Buchhalterin für die Schulverwaltung, Patricia fürs Sozialamt.

Betty Mitchell, damals ihre Chefin dort, sagte der "Huffington Post", die Schwestern seien "unzertrennlich" gewesen. Anfangs hätten sie noch gerne von ihrer Vergangenheit gesprochen, von ihren Auftritten, ihren Abenteuern, ihren berühmten Weggefährten. Nur über ihr Privatleben hätten sie stets geschwiegen, hätten sich auch geweigert, einem Chor im Ort beizutreten. "Sie behielten alles für sich", sagte Mitchell. "Ich weiß noch nicht mal, ob sie Geschwister hatten."

Langsam zogen sie sich zurück. Wenn jemand anrief, gingen sie nicht ans Telefon oder sprachen nur kurz. Selbst zu Freunden ließen sie den Kontakt einschlafen. Sie verließen immer seltener das Haus. Selbst Nachbarn sahen sie am Ende oft jahrelang nicht mehr.

Voriges Jahr bemerkten Anwohner einen Krankenwagen vor dem Haus der alternden Schwestern. Die Polizei begann, gelegentlich nach ihnen zu schauen, für den Fall des Falles. Am 25. Februar, einem weiteren dieser Routine-Checks, öffnete niemand mehr die Tür. Tags darauf wurden die Leichen gefunden.

Öffentliche Suche nach den Verwandten

Die Behörden steckten in einer makaberen Bredouille. Normalerweise durften die Namen Verstorbener erst veröffentlicht werden, wenn die Angehörigen benachrichtigt waren. Doch wer war hier zu benachrichtigen? Geschwister? Cousins? Keiner im Ort kannte jemanden.

Also gab die Polizei die Namen der Zwillinge heraus - zusammen mit einem öffentlichen Hilfsappell. Sogar Amateur-Ahnenforscher beteiligten sich an der Suche, wie Detektiv Harwood der Agentur AP sagte. Trotzdem dauerte es Wochen, bis die Fahnder drei Cousins aufgespürt hatten. Auch die hatten seit Jahren nichts von den Zwillingen gehört.

Die Todesumstände bleiben ungeklärt. Auch ein Testament ist noch nicht gefunden. Viel zu erwarten haben die Nachfahren freilich kaum: In amtlichen Papieren benannten sich die Schwestern einander als nächste Angehörige.

Mit Material von AP

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