Igor Levit spricht über Morddrohung "Es geht um systematischen Antisemitismus"
Pianist Igor Levit spricht auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen
Foto: Jan Woitas/ dpaDer Pianist Igor Levit hat laut eigenen Angaben eine antisemitische Morddrohung erhalten. Demnach erhielt der Musiker im November eine E-Mail, in der ihm mit einem Mordanschlag auf einem Konzert in einer Stadt in Süddeutschland gedroht wurde.
Seiner Sprecherin zufolge schaltete Levit die Polizei ein. Das Konzert gab er trotzdem - unter Personenschutz und aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen.
In einem Gastbeitrag für den "Tagesspiegel am Sonntag" warnt der Künstler jetzt erneut eindringlich vor Rassismus, Antisemitismus und rechtsextremem Terror. Diese Gefahren würden in Deutschland weiterhin systematisch unterschätzt.
Das Land befinde sich "mitten in einer massiven Normverschiebung innerhalb unserer Demokratie, die nicht mehr dieselbe sein wird, wenn wir geschehen lassen, dass Antisemitismus, Rassismus und Frauenhass immer weiter Raum gewinnen".
Schon lange handele es sich nicht mehr um Einzelfälle, so Levit. "Es geht um Opfer, immer und immer und immer wieder. Und es geht um systematischen Antisemitismus und Rassismus, um Rechtsextremismus, Terror und völkische Gewalt."
Die Behörden sind laut Levit überfordert und angesichts der Aufgaben noch immer unterbesetzt.
Bereits bei der Verleihung des Musikpreises Opus Klassik 2019 im Oktober hatte sich Levit explizit gegen Rechtsterror und Verrohung ausgesprochen. Damals sagte er im Hinblick auf den Anschlag auf eine Synagoge in Halle mit zwei Toten: "Nach dem NSU, nach unzähligen Angriffen auf Moscheen, Synagogen, jüdische Friedhöfe, Flüchtlingsheime etc. ist das, was hier passiert, keine Überraschung."
Der in Russland geborene Musiker gilt als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Generation. Zuletzt hat er alle Beethoven-Sonaten eingespielt. Gleichzeitig ist er zu einer prominenten politischen Stimme geworden (Lesen Sie hier ein Porträt über den Künstler ).