Pöbel-Prinz Immer Ärger mit Harry
London - Die verfänglichen Worte waren schon vor drei Jahren in einem Flughafenwarteraum gefallen, auf dem Weg zu einem Manöver auf Zypern. Mit Verweis auf einen seiner Kollegen von der Militärakademie Sandhurst hatte Prince Harry, 24, von "unserem kleinen Paki-Freund" gesprochen - und die Angelegenheit auf Video aufgenommen. Die Bezeichnung "Paki" wird in Großbritannien abwertend für Pakistaner verwendet.
Die Sonntagszeitung "News of the World" hatte am Wochenende über das Video geschrieben - und wusste außerdem zu berichten, dass der Prinz zu anderer Gelegenheit das Wort "raghead", ein Schimpfwort für Araber, verwendet habe. Die britische Öffentlichkeit zeigte sich empört über die vermeintlich rassistische Wortwahl des Prinzen, der in der Vergangenheit bereits häufig Verfehlungen eingestehen musste: Cannabis- und Alkoholkonsum als Minderjähriger, feucht-fröhliche Eskapaden als Volljähriger und der Besuch einer Party in einem Nazi-Kostüm trugen ihm den Namen "Dirty Harry" ein.
Der neuerliche Vorfall beschert dem Prinzen wieder Kritik. Für das Königshaus dürfte das ärgerlich sein, da sich die Nummer drei in der Thronfolge zuletzt, unter anderem mit einem Kurzeinsatz bei den britischen Truppen in Afghanistan, um ein gutes Bild in der Öffentlichkeit bemüht hatte.
Oppositionsführer David Cameron nannte die Wortwahl "vollkommen inakzeptabel". Da sich Harry aber entschuldigt habe, seien weitere Schritte gegen ihn nicht notwendig. Die britische Gleichheits- und Menschenrechtskommission erklärte mit, der Ausrutscher sei "beunruhigend" und forderte weitere Untersuchungen. Eine offizielle Reaktion der Regierung gibt es nicht.
Der Direktor der muslimischen Jugendorganisation Ramadan Foundation, Mohammed Shafiq, erklärte, er sei "schockiert und sehr traurig über Harrys rassistische Kommentare". Das Verteidigungsministerium betonte, den Fall "sehr ernst zu nehmen", unangemessenes Verhalten würde nicht toleriert. Es sei keine Beschwerde der Betroffenen gegen den Prinzen eingegangen.
In einem BBC-Interview erklärte der Pakistaner Iftikhar Raja, der Prinz habe mit der Bezeichnung "Paki" seinen Neffen Achmed Raza Khan gemeint, der mittlerweile in der pakistanischen Armee diene. Khan habe die Akademie in Sandhurst im Jahr 2006 abgeschlossen und sei von Königin Elisabeth als bester ausländischer Kadett geehrt worden. Man erwarte besseres von der königlichen Familie, in deren Ausbildung jedes Jahr Millionen von Pfund investiert würden, sagte Raja mit Blick auf die Kommentare des Prinzen.
St. James's Palace, das Büro von Prinz Harry und seinem älteren Bruder Prinz William, hatte am Sonnabend eine Erklärung herausgegen - und damit indirekt den Vorfall bestätigt. Prinz Harry entschuldige sich, er habe die Ausdrücke nicht böswillig verwendet und sei sich bewusst, wie verletzend der Ausdruck "Paki" sein könne. Es stehe außer Frage, dass Prinz Harry seinen Freund nicht verunglimpfen wollte. Das Prinzenbüro erklärte weiterhin, mit "raghead" habe Harry irakische Aufständische und Taliban gemeint.