Prinz Charles tanzt in Saudi-Arabien Schwerter zu Fluchscharen
Riad - Dass sich Prinz Charles bei seinen offiziellen Auslandsbesuchen für nichts zu schade ist, hat er in der Vergangenheit zu Genüge bewiesen. Jetzt unternahm er einen Ausflug ins Reich von 1001 Nacht. In der Hauptstadt Saudi-Arabiens warf sich der Thronfolger in traditionelle Garderobe, griff zum Schwert und vollführte den Arda, einen Schwertertanz. Um ihn herum ein Pulk von Mittänzern und begeisterten Zuschauern.
Schwertertanz in Riad: Charles von Arabien
Saudi-Arabien feiert das Janadrija Festival, eine jährliche Kulturveranstaltung, die zwei Wochen dauert. Empfangen wurde der britische Thronfolger von Prinz Muqrin ibn Abd al-Aziz, dem ehemaligen Geheimdienst-Chef und engem Vertrauten König Abdullahs, der sein Halbbruder ist. Der lächelte wohlwollend in die Kamera angesichts des tapferen Versuchs des Thronfolgers, das Schwert mit Würde zu führen.
Gesprächsstoff für die beiden Männer gab es vermutlich genug: Muqrin ibn Abd al-Aziz hat am britischen "Royal Air Force College" in Cranwell studiert und betätigt sich - wie Öko-Bauer Charles - in seiner Freizeit als Landwirt. Offiziell sollte über die Konflikte in der Region gesprochen werden.
Charles besucht bereits zum zehnten Mal Saudi-Arabien, seinen ersten Trip unternahm er 1986. Vertreter von Amnesty International hatten gefordert, der Prinz möge die Menschenrechtsverletzungen in dem Land ansprechen, wo immer wieder politische Oppositionelle inhaftiert werden und die Meinungs- und Religionsfreiheit unterdrückt wird. Die Todesstrafe kann bereits bei Vergehen wie Koranschändung, Gotteslästerung oder sexueller Belästigung verhängt werden. Regelmäßig gibt es Berichte über Folter. Ob der Prinz die Verstöße zur Sprache brachte, ist nicht bekannt.
"Schädliche und gefährliche Beziehungen"
Die wirtschaftlichen Interessen sind auf beiden Seiten groß. Großbritannien verkauft mehr Waffen an Saudi-Arabien als an irgendein anderes Land. In den vergangen fünf Jahren im Wert von knapp 6,8 Milliarden Euro. Premierminister David Cameron besuchte das Land im November, um über den Verkauf von "Eurofightern" der BAE Systems zu verhandeln.
"Es ist klar, dass Großbritannien alle Hebel in Bewegung setzt, um für BAE einen Vertrag auszuhandeln", sagte Andrew Smith von der Nichtregierungsorganisation Campaign Against Arm Trade (CAAT) und stellte die ketzerische Frage, ob es möglich sei, "dass sie noch einen Schritt weitergegangen sind und Prinz Charles entsandt haben, um ein Gebot abzugeben". Smith empfahl dem Thronfolger dringend, sich nicht instrumentalisieren zu lassen und "diese schädlichen und gefährlichen Beziehungen mit einem repressiven und despotischen Regime zu beenden".
Auch Deutschland rüstet den Wüstenstaat auf: Allein 2012 verkaufte es Rüstungsgüter im Wert von 1,24 Milliarden Euro an Saudi-Arabien.