Rafael und Sylvie van der Vaart: Marken-Experte über Ehepaar - DER SPIEGEL
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Rafael und Sylvie van der Vaart: Trennung nach zehn Jahren

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Marke van der Vaart "Rafael und Sylvie haben voneinander profitiert"

Was ist der Wert einer Ehe? Und was der Wert einer Promi-Ehe? Sylvie und Rafael van der Vaart sind längst mehr als ein Paar, sie sind eine Marke. Diese könnte selbst die Trennung unbeschadet überstehen, sagt Markenexperte Henrik Sattler - wenn die beiden einige Spielregeln beachten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Professor Sattler, was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie den Namen van der Vaart hören?

Sattler: Erst mal ein hervorragender HSV-Fußballer. Aber eine zentrale Assoziation ist auch Sylvie. Der Glamouraspekt ist bei den van der Vaarts größer als bei anderen ähnlich guten Spielern. Die van der Vaarts wurden mit den Beckhams verglichen, und diese Vergleiche sind berechtigt, wenn auch mit Abstrichen.

SPIEGEL ONLINE: Wofür steht die Marke "van der Vaart" aus Marketing-Sicht?

Sattler: Für Beliebtheit und sehr hohe Aufmerksamkeit bei einem breiten Publikum.

SPIEGEL ONLINE: Das Traumpaar, das sich auch abseits des Platzes zu vermarkten und zu inszenieren weiß?

Sattler: Ja, ganz bestimmt. Eine wesentliche Motivation, Rafael noch einmal zum HSV zu holen, war der Starfaktor jenseits des Fußballs.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Marke van der Vaart durch die Trennung beschädigt?

Sattler: Da muss man zwischen kurzfristigen und langfristigen Folgen unterscheiden. Kurzfristig hat diese Trennung ein erhebliches Medienecho. Insofern nutzt sie sogar: Sie bindet die Aufmerksamkeit des Publikums.

SPIEGEL ONLINE: Und langfristig?

Sattler: Die Trennung führt nicht automatisch zum Absturz der Marke. Aber die van der Vaarts wurden immer mit einer heilen Welt assoziiert. Dieses spezielle Image wird schwer aufrecht zu erhalten sein, da passt eine Trennung einfach nicht. Und sollte sie dauerhaft sein, wird es schwierig, den Starfaktor zu erhalten: Rafael und Sylvie haben beim Markenwert voneinander profitiert. Ihr half es, dass er einer der bekanntesten Bundesliga-Spieler ist; und ihm half es, dass sie auf der Tribüne saß.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig ist die Art der Berichterstattung über die Trennung?

Sattler: Sie ist extrem wichtig. Es macht einen großen Unterschied, ob das Ganze als Rosenkrieg rüberkommt oder - wie es jetzt aussieht - als gütliche Einigung. Das macht es unwahrscheinlich, dass der Markenwert erheblich beschädigt wird.

SPIEGEL ONLINE: Die Trennung ist von den van der Vaarts also gut kommuniziert worden?

Sattler: Naja, immerhin haben sie es geschafft, dass relativ wenig Negatives berichtet wird. Ich finde das bemerkenswert, insbesondere vor dem Hintergrund, dass er offenbar seine Frau geschlagen hat. Das ließe sich medial auch ganz anders aufziehen. Dass es nicht so ist, kann man aus deren Sicht schon als Punktsieg verbuchen.

SPIEGEL ONLINE: Das Werk zweier Medienprofis?

Sattler: Sie haben es gut gemacht, aber ich kann nicht glauben, dass das alles inszeniert ist und sie schon seit geraumer Zeit vorhatten, sich zu trennen. Dann wäre es extrem unklug gewesen, noch vor wenigen Tagen ein Familienfoto  zu veröffentlichen.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie empfehlen, um die Marke van der Vaart möglichst unbeschadet aus der Sache zu retten?

Sattler: Rafael und Sylvie van der Vaart sollten weitermachen wie bisher: wenn schon Trennung, dann sauber und ohne Nachtreten. Bislang standen sie immer für Harmonie, da passt es, wenn man sich auch einvernehmlich trennt. Viel besser kann es für die van der Vaarts angesichts der Umstände gar nicht laufen.

Das Interview führte Benjamin Schulz